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 Mittelpunkt des Waldes

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Nyaralin
Königin der Elfen
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Sa Jan 10, 2015 10:54 pm

"Le nathlam hí, Beriadan", erhob sie lediglich die Stimme, ihr Klang noch immer warm und freundlich, jenem Singsang gleich, welcher in jeder Silbe des Volkes der Sterne mitschwang und sanft neigte sie den Kopf ein Stück weit. In einer fließenden Bewegung streckte sie die Hand aus und bot damit dem älteren Elfen jenen Platz an, welcher bislang ihr zu eigen gewesen war und Bedauern spiegelte sich für einen kurzen Moment lang in ihren türkisfarbenen Augen wieder, als ihr bewusst wurde, dass jener Zorn, der zwischen ihnen beiden stand, auf ewig in Beriadans Seele schwelen würde. "Boe?", setzte sie nur wenig später die ebenso leise Frage hinterher und machte einen weiteren, langsamen Schritt zur Seite während die Energie, die sie soeben so mühelos aufgehoben hatte, sich in Form von unzähligen, bunten Schmetterlingen in die Luft empor hob. Zarter Staub rieselte zu Boden, dort, wo die zarten Wesen aufgestiegen waren und erneut begannen sich Wurzeln und Blätter dort hervor zu ranken und die verdorrte Erde, auf der sie standen, erhielt das Leben zurück, das aus ihr gewichen war.
"Es ist nicht allein, meine Entscheidung, ob Ihr in diesen Wäldern eine Heimat finden dürft, Feredir. Mein Volk litt unter jenem Streit, welcher nun bereits seit so langer Zeit zwischen dem jungen Volk der Nachkommenden und dem Volk der Sterne steht. Zahlreiche junge Leben wurden beendet und nun steht Ihr hier und bittet uns um unsere Hilfe", begann sie erneut zu sprechen, als sich ihre Aufmerksamkeit zurück auf den jungen Magier ihr gegenüber gerichtet hatte, der bislang ruhig geblieben war. Vielleicht würde es helfen, wenn er begriff, wie die Elfen hier lebten und vielleicht würde er ihnen sogar helfen, diesem unsinnigen Krieg ein Ende zu bereiten, das bereits seit so langer Zeit wartete. 'Ihr solltet ihn überzeugen', hallte es nur wenig später in Feredirs Geist wieder während die Augen der blonden Elfe für einen kurzen Moment lang hinüber zu Beriadan glitten ehe sie sich herum wandte.
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Feredir

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Sa Jan 10, 2015 11:03 pm

Erschrocken über die plötzliche Geste von Nyaralin, ebenso wie über die schnelle Handlung von Beriadan, war er ein paar Schritte zurückgetaumelt, denn es war ihm mit den Fesseln nicht möglich sich aufzulösen und an einer Stelle wieder aufzutauchen, die sicherer war. Es spürte sein Element, doch konnte sich nicht vollends mit ihm vereinen. Und genau diese Erkenntnis machte ihn mit einem Mal nervös, stärker als er es selbst gedacht hätte. Er zerrte eine Weile lang an den Fesseln, doch schließlich gab er es auf und nachdem Nyaralin erneut das Wort erhoben hatte, hielt auch er inne. „Überzeug ihn.“ Dachte er sich selbst, nachdem er die zarte Stimme in seinem Kopf gehört hatte. Vor hunderten von Jahren hatten sie Beriadan sein Wissen gestohlen, da die Seiten damals umgekehrt gewesen waren. Damals waren sie diejenigen die die Gejagten waren und die Elfen die Jäger. Doch die Positionen hatten sich inzwischen vertauscht.
„Ich bin nicht hier um euch zu kränken, auch nicht um euch zu verspotten.“ Erhob er schließlich die Stimme und sah den alten Feind, den er eigentlich nie hatte widersehen wollen an. „Einst stahl ich etwas das euer war um mein Volk zu retten. Nun versucht ihr eures zu retten und ich sehe ein dass es weitaus bessere Wege gegeben hätte diesen Konflikt beizulegen. Die Großmeister verstießen mich, da ich für das Königsgeschlecht bin. Da ich darauf hoffe, dass wir eine friedliche Einigung treffen können. Und eben deswegen habe ich euch in eurem Wald aufgesucht, um meine Hilfe gegen die Anderen Großmeister anzubieten, auf dass wir ein Zeitalter einläuten, dass weder von der Vorherrschaft der Elfen, noch der Menschen geprägt ist. Sondern von einem miteinander.“
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Sa Jan 10, 2015 11:10 pm

"Ist dem so?" erwiderte Beriadan leise und hob die Brauen während er Feredir musterte. Er schüttelte den Kopf, während in seine Schritte auf den Stuhl geleiteten, auf dem er schließlich Platz nahm. "Und woher kommt dieser plötzliche Sinneswandel? Nein, sagt nichts" er hob abwehrend die Hand um jegliche Erklärung, die ihn sowieso nicht interessiert hätte direkt im Keim zu ersticken. "Ich sehe keinen Grund euch zu Glauben. Ihr seid ein Lügner, ein Luftikus. Ein Dieb" erklärte er und das letzte Wort zischte er geradezu, während er wieder auf Feredir zukam.
"Ihr und euresgleichen, die Menschen haben etwas gestohlen, dass mir gehörte! Ihr habt mein Volk abgeschlachtet und uns zum Tode verurteilt. Ihr habt eure Macht ausgenutzt um uns bis auf die letzte Wurzel auszurotten. Aber ihr habt versagt. Denn was ihr nicht einmal in euren kühnsten Träumen ahnen konntet: Das Geschlecht, dass ihr als Königsgeblübt verehrt ist mein Blut. Das Blut eines Elfen. Und kein Menschenreich wird jemals wieder in diesem Land zu Blüte kommen"
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Nyaralin
Königin der Elfen
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Sa Jan 10, 2015 11:23 pm

"Daro!"
Nie zuvor hatte ihre Stimme einen schneidenden, festen und befehlenden Tonfall angenommen, nie zuvor war sie jemals dazu gezwungen gewesen lauter zu werden und umso fremder fühlte es sich nun an, als sie sich zu den beiden herum drehte und erneut eine Hand hob, Beriadan mit jener kleinen Geste davon abhielt, weiterhin auf Feredir zuzutreten und ihm Leid zuzufügen. "Telin le thaed. Pedin i phith in aníron, a nin ú-cheniathog", wandte sie sich an den alten Elfen und schüttelte den Kopf, während Enttäuschung und Bitterkeit in ihrer Miene einen Platz fand und das blasse Gesicht mit den weichen Zügen der Elfe für einen kurzen Moment lang verzerrte. "Nadath nâ i moe cerich. Edra le men, men na guil edwen, haer o auth. Anírach, nui lû, gwannad uin gwaith lín?", ließ sie nur wenig später folgen und senkte den Blick, wohl wissend, dass Feredir nichts von ihren Worten verstanden hatte und es mochte besser so sein. Es waren Dinge, die für Menschenohren unausgesprochen bleiben sollten, Dinge, die bereits zu lange geschwelt hatten und denen sie bisweilen nicht gestattet hatte erhört zu werden, doch nun standen sie hier und alter Hass besiegte die Möglichkeit auf Frieden.
"Quetuvangwë sí ve nildu?", fragte sie nur wenig später leise, darauf hoffend, dass er sehen würde, welchen Fehler er hier beging. Feredirs Geist war nicht voller Dunkelheit und sie sah in ihm keinen anderen Verrat als jenen, den er bereits begangen hatte - sein Interesse daran, die Avatare zu stürzen, war aufrecht und er war für den Augenblick, so gering er auch sein mochte, die Möglichkeit darauf, ein freies und friedliches Land zu errichten, in dem ihrer beider Völker gemeinsam und in Frieden miteinander leben konnten.
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Sa Jan 10, 2015 11:48 pm

"Ae ú-esteliach nad" erwiderte Beriadan leise, jedoch nun gefasster und nicht mehr voller Hass, wie es zuvor gewesen war. Dann jedoch ließ er die Schultern hängen und trat wieder zu dem Stuhl zurück und ließ sich darauf sinken. Er vertraute dem Anderen noch immer nicht und glaubte auch jetzt immer noch, dass Nyarlain zu weich war - das sie die Gefahr nicht sah, welche hinter diesen bösartigen Menschen und ihren Machenschaften steckten.
Feredir war nicht vertrauenswürdig und was immer der andere auch sprach, es war - so war sich Beriadan sicher - gelogen.
"Nun gut Feredir, Dieb. Ihr scheint eine Fürsprecherin zu haben. So sprecht und zwar rasch. Ich will die ganze Geschichte hören. Lasst nichts außer, verändert nichts und ich verspreche euch, wenn auch nur ein Wort gelogen ist, werfe ich euch in die tiefste, dunkelste Zelle unter der Erde, die ich finden kann"
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Feredir

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Jan 11, 2015 12:04 am

Die Luft war einen Augenblick lang zum Schneiden gespannt gewesen, doch erneut war es die Elfenfrau, die eine solche Ruhe verströmte dass er, selbst in dieser Situation von eben dieser erfasst wurde und nicht etwa direkt etwas erwiderte, sondern den anderen ausreden ließ, ihn seinen Befehl aussprechen ließ, nachdem er sich gesetzt hatte. Ihm lagen so viele Flüche auf der Zunge, so viele Dinge die er sagen wollte, angefangen bei all den Grausamkeiten die er damals mit angesehen hatte und die die Elfen durch ihre Beteiligung des Krieges verursacht hatten, doch er schwieg, erneut. Und erst als er die Aufforderung erhielt, sprach er. Doch noch bevor er dies Tat überlegte er, ob das was Beriadan gesagt hatte, dass Elfenblut seit jeher auf dem Thron und in dessen Vertreter war, Wirklichkeit oder nur eine Farce war, um ihn zu täuschen und aus dem Konzept zu bringen.
„Habt ihr euch nie gefragt, wie Guinevere die Flucht gelang? Vielleicht hat sie es euch einmal erzählt, denn letztlich trug sie der Wind in die Freiheit. Ja, dass dürft ihr genauso wörtlich verstehen wie es klingt. Ich half ihr aus der Stadt zu fliehen, ebenso wie ihren Begleitern, in der Hoffnung sie findet irgendwo Unterschlupf, denn bei den anderen Großmeistern wäre sie Zweifelsohne getötet worden. Der Grund warum ich dies tat ist einfach. Ich glaube nicht daran das allein wir das Recht, noch die Möglichkeit haben auf lange Zeit über ein Volk zu herrschen, denn wir sind unsterblich, wir gehören nicht zu denen, die an die Regeln dieser Welt gebunden sind und nehmen viele Dinge somit anders war als sie. Der Rest ist schnell erzählt, eine Weile lang hielt meine Maskerade, doch schließlich, vermutlich durch Yarna, unsere Anführerin, entlarvte man mich und ich floh.“
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Jan 11, 2015 12:17 am

Es waren die lauten Stimmen anderer gewesen, die ihre Aufmerksamkeit erregt hatten - laute Stimmen ihres Vaters und einem Menschen, den sie wohl als Letztes in diesem Wald erwartet hatte, doch die Worte der Elfen waren eindeutig gewesen, als sie davon sprachen, wen sie hierher gebracht hatten. So schnell wie jene Nachricht an ihre Ohren gedrungen waren, so schnell war sie auch im Mittelpunkt des Waldes, jenem Ort, an dem die fremden Elfen lagerten und wo sie derzeit ihren Vater mit den neuen Gästen erwartete und erst die letzten Schritte verlangsamte sie ihr Tempo und wagte es noch einmal ruhig durchzuatmen. Sie wollte nicht erschöpft vor ihnen wirken, nicht außer Atem oder überstürzt aufgebrochen und als sie nun den Raum betrat, fielen ihre blauen Augen auf die hochgewachsene Gestalt eines Mannes, den sie bereits seit Kindesbeinen an kannte. "Er spricht wahr", erhob sie nun leise die Stimme und lächelte sacht während ihre Schritte sie hinüber zu ihrem Vater trugen, neben dem sie stehen blieb und dem sie nun sanft eine Hand auf die Schulter legte.
Feredirs Erklärung hatte ihr so viele Dinge eröffnet. Sie hatte, nachdem sie aus dem Schloss hatte fliehen können, gehofft, dass er es gewesen war, der ihr geholfen hatte, hatte gehofft, dass sich jemand auf ihre Seite schlug und sie nicht auch noch verriet - nun von seinem Lippen zu hören, dass es der Wahrheit entsprochen hatte, ließ in ihr wieder Hoffnung aufkeimen, von der sie noch nicht wusste, ob sie ihr helfen oder sie wieder enttäuschen würde. "Ich ahnte bereits, dass er es war als der Wind mich trug, aber ich habe nicht zu hoffen gewagt, es könne wahrlich einer der Großmeister gewesen sein, der mir geholfen hat. Ich kam nur so wieder frei und fand meinen Weg in deine Arme, Vater ...", sprach sie mit leiser Stimme weiter ehe ihr Blick hinüber zu Feredir glitt und ein weiches Lächeln ihre Lippen umspielte.
"Ich kam nie dazu, mich dafür bei dir zu bedanken, Feredir."
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Jan 11, 2015 12:23 am

"Tochter" meinte er leise zu Guinevere, während er ihr sanft eine Hand auf ihren Arm legte, ehe er sich wieder zu Feredir umwandte. "Scheinbar ist zumindest dieser Teil der Geschichte wahr" erklärte Beriadan leise und lehnte sich zurück. "Aber ihr lügt, wenn es um eure Motive geht. Ich bin mir sicher, euer einziges Motiv war die Gier nach Aufmerksamkeit, vielleicht die Rache an den anderen Großmeistern. Ein Machtspiel - ihr habt meine Tochter alleine und verängstigt zurück gelassen. Sie hätte verhungern oder erfrieren können. Wenn ihr gewollt hättet, so wäre es auch in eurer Macht gewesen sie aus diesem Land zu bringen. Ihr habt nichts mehr getan als sie aus dem Schloss zu bringen - ein Akt des Trotzes gegen euresgleichen. Eine Tat, welche eurem Wesen nur zu gut entsprechen würde. Ihr ahntet schließlich wohl kaum, dass ich kommen würde - und als ich kam sah ich euch auch bei den anderen Häschern, die sie zurück holen wollten" er wandte sich kurz zu Guinevere. "Fall nicht erneut auf die Menschen herein Tochter, vor allem nicht auf diesen Mann, so galant er auch wirken mag. Er hat Wissen gestohlen,d ass nicht ihm gehört und unser Volk zu tausenden abgeschlachtet"
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Feredir

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Jan 11, 2015 12:35 am

„Ebenso wie es die Elfen mit den Menschen taten, ich habe diesen Krieg auf der anderen Seite einst selbst miterlebt, wie ihr euch sicherlich erinnert könnt. Und ich will mich nicht streiten, auch mein Volk beging Fehler, doch da beide Seite Fehler begingen hoffe ich darauf, dass wir vielleicht endlich eine Chance auf Frieden haben.“ Als der irritierte Blick zu ihm ging, zuckte er mit den Schultern. „Bücher lehren einen vieles. Ich bin mir der älteren Rede durchaus bewusst und viele der Dokumente die man in unserer Bibliothek findet sind älter als ich, selbst älter als ihr, Beriadan. Und ich hatte viel Zeit zu lernen.“ Einen Augenblick lang sah er zu Guinevere und er glaubte ehrliche Dankbarkeit zu erkennen, welche er mit einem Lächeln und einer kurzen Verbeugung erwiderte. „Es war mit eine Ehre euch zu helfen, Hoheit.“
Doch der forsche Blick des Elfenfürsten rief ihn wieder zu der Situation zurück, in der er sich eigentlich befand. Denn er befand sich auf der Anklagebank und mochte er auch noch so gute Argumente bringen, so war sein Richter dennoch noch nicht überzeugt und er befürchtete, dass der Richtblock, trotz des Intervenierens der Elfendame, immer noch in greifbarer Nähe war. „Hätte ich einen größeren Zauber genutzt, so hätte man es prüfen, nachverfolgen können, denn jeder Großmeister kann eine stärkere arkane Beschaffenheit in seiner Nähe instinktiv spüren. Selbst dies war riskant und ich tat es in der Hoffnung, dass ihre Majestät noch andere Fürsprecher im Land hat, an die sie sich wenden kann.“
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Jan 11, 2015 12:42 am

"Dieb der Magie, Dieb von Büchern und Dieb der Worte" zischte Beriadan, den Feredirs Sprachkenntnisse mehr erzürnten als denn beeindruckten. Sie hatten ihm geheimes Wissen und alte Schriften seines Volkes gestohlen. Sie hatte ihm seine Kultur gestohlen und sich selbst, jene unwürdige darin gelehrt. Sein Atem ging nun schwerer als zuvor, während er versuchte sich zu beruhigen um nichts unbedachtes zu tun.
Feredir war nichts weiter als ein Hochstapler, ein verkommenes Individuum wie es im Buche stand und mit jeder Sekunde wuchs sein Hass nur noch weiter. Die Menschen waren ein verlorenes Volk, voller Hass, Habgier und Neid welches ihm und den Elfen alles entriss, was sie halten konnten.
"Andere Fürsprecher? Die Großmeister beherrschen jedes Fürstentum dieses Landes. Ihr sprecht wirr und ihr sprecht falsch. Falls ihr euch so viele Gedanken darum gemacht habt nicht aufzufallen, wieso wurdet ihr dann angeblich verurteilt und steht nun hier? Wenn nicht, weil all dies eine Lüge ist. Ein Trick um weitere Geheimnisse zu stehlen, mir meine Tochter zu entreißen und wieder zurück zu den anderen Großmeistenr zu bringen?"
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Jan 11, 2015 12:53 am

"Wenn er das wollte, dann hätte er mich angreifen können, noch bevor du uns gerettet hast, Vater. Dann hätte er mich nicht befreien müssen, denn sie hatten mich doch bereits", antwortete Guinevere lediglich leise und mit einem verhaltenen Lächeln auf den Lippen, welches dem Großmeister der Luft vor ihnen galt und langsam begann sie sich wieder von ihrem Vater zu lösen, nur um ein paar Schritte nach vorn zu machen. Wenn Feredir wirklich gegen sie war, dann würde er etwas tun, dann würde er nun versuchen, sie wieder fort zu bringen und zurück in den Palast sperren, doch nichts dergleichen geschah und alles, was ihr jetzt auffiel, waren die Verbrennungsspuren an seinen Gelenken - Spuren, die ohne Zweifel Isis hinterlassen hatte. Sie wusste nicht, warum, aber sie glaubte dem anderen und behutsam streckte sie eine Hand aus, berührte zaghaft die Spuren an seinen Handgelenken und lächelte wehmütig.
"Isis, nicht wahr?", fragte sie, brauchte aber keine Antwort von ihm um zu wissen, dass sie mit ihrer Vermutung Recht behalten hatte. Es konnte nur sie sein, nachdem sie sie bereits im Wald angegriffen hatten. "Bitte, versprich, dass du uns nicht verrätst. Versprich, dass du nicht mehr zu ihnen gehörst und sie genauso vernichten willst. Ich will nicht für dich bürgen, wenn ich dir nicht trauen kann", bat sie lediglich leise und wandte den Blick hinauf in sein Gesicht, einen kurzen Moment nur, als wolle sie in seinen dunklen Augen die Antwort auf ihre Bitte erhalten ehe sie sich zurück zu ihrem Vater wandte.
"Wenn wir die Großmeister vernichten wollen, ihnen ihre Macht nehmen wollen und Feredir bereit ist zu helfen, dann gib ihm die Möglichkeit, Vater. Ich bitte dich. Dieser Wald ist gut geschützt und wir haben mächtige Hilfe erhalten. Wir wollen dasselbe - lass ihn helfen. Ob du ihm nachher seine Macht nimmst oder früher macht für uns keinen Unterschied. Wir sind unsterblich."
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Feredir

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Jan 11, 2015 1:02 am

Er ging auf die Knie, was mit den Handschellen, oder besser gesagt den Seilen die seine Hände zusammenhielten reichlich seltsam aussehen musste, doch beschwerte er sich nicht weiter darüber. Stattdessen neigte er einen Augenblick lang den Kopf, versuchte sich in Erinnerung zu rufen wann er das letzte Mal vor Guineveres Eltern gekniet hatte. Und bei eben jenem Gedanken fühlte er sich schuldig, denn ob er es gutgeheißen hatte oder nicht, er war an der Ermordung beteiligt gewesen. Doch schon zuvor hatte er, allein aus der Arroganz heraus, eine Ewigkeit lang keine Königstreue gezeigt. Zumindest keine offensichtliche. „Ich schwöre euch dass ich die Großmeister vernichten und dem Reich helfen will. Dem Reich helfen, indem es Frieden erlangt und wir ein Land erschaffen können, in dem Menschen und Elfen friedlich miteinander leben können. Ein Land in dem Treue vor dem Königsgeschlecht herrscht und niemand, der sich selbst dazu ausgerufen hat. Und wenn dies eingetroffen ist, so werde ich mich gerne und freiwillig für die Vergehen stellen, die ich einst aus der Not und aus der Unerfahrenheit heraus beging.“
Hätte ihm noch vor ein paar Wochen gesagt das er genau diese Worte, kniend, vor den Füßen der jungen Prinzessin sagen würde, so hätte er es nicht geglaubt. Hätte man ihm erzählt dass er Beriadan noch einmal sehen würde und dieser ihn nicht direkt umgebracht hatte, er hätte es nicht geglaubt. Hätte ihm jemand gesagt dass er mehr als nur einen kleinen Funken Hoffnung für das Reich sah, er hätte es nicht geglaubt. Doch es hatte sich etwas geändert, jetzt konnte er daran glauben.
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Jan 11, 2015 1:09 am

Er hätte nun aufstehen und die wenigen Worte sagen müssen, die notwendig gewesen wären um die Bindung wieder zu lösen. Er hätte das Ritual und den Todesstoß ausführen und der Welt wieder einen freien, ungezähmten Sturm zurück geben sollen. Er hätte den anderen für seine Vergehen bestrafen und die Welt zu einem besseren Ort machen sollen, indem er klug genug war, nicht auf das Geschwätz eines Rosenohrs zu hören.
"Meine Tochter spricht sich für euch aus. Ihr bleibt am Leben und werdet in diesem Wald aufgenommen. Dennoch werdet ihr weder meine Tochter noch unsere Bibliotheken, Versammlungssäle oder heilige Hallen unseres Volkes ohne mein Beisein sehen" erklärte er und erhob sich. "Wenn all die vollmundigen versprechen, die ihr so leichtfertig gebt erfüllt wurden, werde ich mich ein weiteres Mal mit euch befassen, komm Guinevere" meinte er zu seiner Tochter und trat an Feredir vorbei. "Oh und vergesst nicht - selbst eure Lebenszeit gehört rechtmäßig mir"
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Jan 11, 2015 1:19 am

Es war ein erleichtertes Aufatmen, welches sie sich selbst gestattete angesichts der Entscheidung ihres Vaters, wenngleich sie sich auch entschied, ihm später für die Nachsicht zu danken. Feredirs Schwur, gesprochen in jenen alten bedeutungsvollen Worten, hatte ihr viel bedeutet - es hatte etwas in ihr geweckt, das wieder Hoffnung darauf hatte aufkeimen lassen, eines Tages in Freiheit leben zu können, gemeinsam mit ihrem Volk und den Menschen, in Frieden und Seite an Seite. Niemand, der mehr um sein Leben fürchten musste, wenn er dem Wald näher kam und Elfen, die die Städte besuchen konnten, ohne dafür sofort hingerichtet zu werden. Dieser Krieg hatte zu lange angedauert und vielleicht war Feredirs Entscheidung und die Aufrichtigkeit in seinen Worten, die sie darin zu finden geglaubt hatte, der erste Schritt zu dem Traum, von dem auch er gesprochen hatte und den sie sich mit ihm teilte.
Mit einem weichen, dankbaren Lächeln ob seiner Worte beobachtete sie, wie ein paar der Elfen vor traten und ihn von den Seilen lösten, die bislang um seine Handgelenke gelegen hatten, als ihr Vater ihm gestattete weiterhin in dem Wald der Elfen bleiben zu können, ohne dafür belangt zu werden, selbst wenn sie darüber bestürzt war, ihn weder sehen, noch sich mit ihm unterhalten zu können. Es gab so unendlich viele Dinge, die sie wissen wollte - über ihre Eltern und das Gespräch, das sie mit den Elfen geführt hatten, darüber, warum sie ermordet worden waren und warum er ihr geholfen hatte, warum er hierher gekommen war, statt das Reich einfach zu verlassen.
Beriadans Aufforderung ließ sie ihre Gedanken wieder zurück in das Hier und Jetzt bringen und sie folgte ihm mit langsamen Schritten, sich an der Tür noch einmal zu Feredir umwendend und ein leises "Danke, dass du hier bist" formend ehe sie ein ehrliches Lächeln hierher schickte und sich dann beeilte zurück zu ihrem Vater zu treten.
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Feredir

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Jan 11, 2015 1:26 am

Dankbar hatte er den Elfen zugenickt die ihn von den Fesseln befreit hatten und gierig hatte er eben diese bewegt, um die Durchblutung wieder ein wenig anzuregen. Er rieb sich die leicht wunden Stellen einen Augenblick lang, ehe er über eine der Wunden kam, die Isis ihm zugefügt hatte. Leise fluchte er auf, zuckte kurz mit dem Kopf, dadurch jedoch glitt sein Blick in Richtung der Tür, in welcher Guinevere stand und sich leise bedankte. Bedankte … Er musste darüber schmunzeln, murmelte wortlos „Prinzessin.“ Und wollte nach seinem Hut greifen um eben diesen zu ziehen. Eine Geste die er schon so oft gewählt hatte, dass sie fast so instinktiv war wie das Atmen. Doch da war kein Hut, nur vom Wind aufgescheuchtes Haar in das er griff. Und er glaubte ein leises Lachen zu hören, ehe Guinevere verschwand. Und auch er musste erneut lächeln.
Er hätte mit vielem gerechnet, nicht jedoch damit das sie ihm danken würde, zumal Beriadan sie scheinbar in der Zeit in der sie hier gelebt hatte bereits sehr gut in die Kultur eingeordnet hatte. Und erneut kam die Reue darüber in ihm auf, was er mit ihren Eltern getan hatte. Nein, nicht er. Doch er hatte tatenlos zugesehen, und war dies in irgendeiner Art und Weise besser?
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Feredir

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Jan 11, 2015 11:01 pm

Er hatte die übergeworfene Jacke abgelegt, denn auch wenn es im Rest des Reiches recht kühl war und bereits dann und wann der Boden Frost ansetzte, so war es hier doch noch immer wie im Frühling. Es war keine sengende Hitze wie im Sommer, in der man sich keine fünf Meter bewegen wollte, nein vielmehr grenzte die Temperatur an den Frühling. Einen durchgängigen Frühling, in welchem die milde Luft einen weder trocken vorkam, noch im Gesicht schmerzte. So ging er noch mit dem einfachen Beinkleid und dem weiten, weißen Hemd durch die provisorischen Straßen der Stadt, wobei Wege das bessere Wort dafür war. Immer wieder wurde er von den Bürgern überrascht angesehen und einige stellten sogar die Frage, was er hier überhaupt tat. Doch hatte er bei der vierten Person die diese Frage gestellt hatte aufgehört, sich zu rechtfertigen und war stattdessen ein Stück weit abseits der Wege gegangen.
Schlussendlich befand er sich ein paar hundert Meter abseits der Siedlung der Menschen, an einen der hohen Bäume gelehnt. Er war zuvor bereits vor Beriadans Anwesen gewesen, auch wenn dies wohl die denkbar dümmste Handlung gewesen war. Doch man hatte ihn nicht etwa aufgegriffen und versucht in eine Zelle zu werfen, sondern ihn einfach nur mit den Worten fortgeschickt, „der König und seine Tochter sind derzeit verhindert“. Das plötzliche Auftauchen in seinem Haus hätte nur für Wut gesorgt, daher hatte er beschlossen, eine Weile lang zu warten, ehe er erneut nach Guinevere fragen würde. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn der alte Elfenfürst von dem hören würde, was an diesem Morgen in dem Haus passiert war.
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Jan 11, 2015 11:15 pm

"Hallo Feredir" erklang Beriadans Stimme hinter dem Großmeister und als dieser sich umdrehte, erkannte er den Elfen welcher ihm mit einem Schwert in der Hand gegenüber stand. Beriadan war ruhig, bedacht während er auf den Großmeister zuschritt und dabei die Klinge knapp über den Boden gleiten ließ, wo sie Grashalme ohne großen widerstand zerschnitt und dabei von innen heraus grün zu schimmern schien. "Meine Tochter kam gestern Abend zu mir um mir von den Geschehnissen in eurem Haus zu berichten" erklärte er in der Sprache der Menschen, während seine Augen noch einmal über Feredirs Gestalt wanderten. "Und ja, sie hat mir alles erzählt" die Klinge beschrieb eine halbe Drehung nach oben und blieb vor Feredirs Augen schweben. "Sie sagte mir, dass sie euch vertraut und ihr Herz euch gehört. Ich kenne das Gefühl jener jungen Liebe und ich wünsche meiner Tochter nur das Beste. Solltet ihr also jemals ihr Herz brechen. Nein" er hob kurz die Hand. "Ihr habt bei all euren Liebschaften dies wahrscheinlich schon mehr als genug gehört. Malt euch das schlimmste aus, was ihr euch vorstellen könnt und glaubt mir, ihr seid nahe dran" dann jedoch rammte er das Schwert zwischen Feredirs Füßen in den Boden. "Nehmt es. Nehmt es als Zeichen meines Vertrauens und schützt damit meine Tochter. Es ist ein magisches Schwert, eines welches euch zur Seite stehen wird, solange ihr meine Tochter liebt und die Elfen zu ihrem Recht führen wollt"
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Feredir

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Jan 11, 2015 11:37 pm

Als er das Schwert gesehen hatte, war er der festen Überzeugung gewesen das er fliehen musste. Dass er von diesem Ort verschwinden musste, der ihm innerhalb so kurzer Zeit so viel gegeben hatte. Und hätte er jenes Gespräch am Morgen zuvor geführt, so wäre er jetzt wohl einfach verschwunden, doch er tat es nicht, hob stattdessen die Hände. „Beriadan ich bitte euch, was Guinevere und ich …“ Doch er kam nicht einmal dazu auszusprechen, stattdessen sprach der alte Elfenfürst seinerseits. Und was er sagte, ließ Feredir ungläubig schauen und er brauchte eine Weile, auch nachdem das Schwert vor ihm in dem Boden stecken blieb und einen Moment lang hin und her wippte, ehe er dies nicht nur für einen makabren Spaß, sondern den vollen Ernst des Mannes hielt. Schließlich stahl sich ein Lachen auf sein Gesicht, doch als er erneut den strengen Blick von Beriadan sah, neigte er den Kopf, besann sich eines Besseren und griff nach dem Schwert, ehe er vor dem Elf niederkniete.
„Ich nehme euer Zeichen des Vertrauens an, Beriadan. Und ich danke für das Vertrauen das ihr mich entgegenbringt und das ihr mich … trotz meiner bisherigen Taten akzeptiert. Es bedeutet mir viel. Und bei meinem Leben, ich werde auch sie achten oder bei dem Versuch dabei selbst zu Grunde gehen.“ Er legte das Schwert, auf dass er sich zuvor gestützt hatte in einen gebeugten Arm.
Dann herrschte einen Augenblick lang Stille. Eine Stille, in der die Tiere des Waldes wieder zu Worte kamen, ehe Feredir die Frage stellte. „Ist … es mir gestattet sie zu sehen?“
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Jan 11, 2015 11:57 pm

"Meine Tochter fällt sowieso ihre eigenen Entscheidungen, wie ich bereits habe erfahren dürfen" erklärte Beriadan nur leise und schüttelte den Kopf während er noch einmal zu Feredir sah, ehe er sich umwandte. "Ich habe nicht gesagt, dass ich euch vertraue. Das tue ich wirklich nicht. Aber meine Tochter vertraut euch und das ist für mich ein ausreichender Grund um euch am Leben zu lassen" erklärte er dem anderen und besah sich noch einmal das Schwert, in welchem der Erdelementar nur ganz schwach zu spüren war. Ein Schwert, eines Königs würdig und er gab es nun an Feredir in der Hoffnung, er würde damit Guinevere verteidigen können, wenn es jemals notwendig werden würde.
"Hintergeht mich nicht Feredir. Zu unser beider Wohl. Hintergeht mich nicht" fügte er noch hinzu, ehe er fortging. Guinevere würde ihn wohl bald aufsuchen und er wollte das junge Glück nicht stören. Zumindest redete er sich das ein. Die traurige, bitterte Wahrheit lautete jedoch ganz anders: Beriadan konnte es nicht mehr ertragen das Glück zweier Menschen mit anzusehen, die sich wahrhaft liebten.
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Feredir

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Mo Jan 12, 2015 12:08 am

„Ich werde treu zu eurer Tochter stehen.“ Erwiderte Feredir seinerseits, doch war es bereits zu spät, denn der andere hatte sich bereits umgewandt und war gegangen. Ungläubig starrte er daraufhin auf sein Schwert, n der festen Überzeugung dies sei nur ein Traum, wie er es bei Guinevere bereits gesagt hatte. Das Schicksal spielte ihm in der Regel nicht derart in die Hände, meinte es nicht gut mit ihm. Und doch hielt er die Waffe, die ihm der Elfenfürst geschenkt hatte, noch immer in den Händen. Das Material, ebenso wie die Qualität war zweifelsohne einzigartig, denn stabil es auch zu sein schien, wog es in seiner Hand kaum ein paar Pfund. Es war eine feine Klinge, nichts brachiales. Etwas das, wie er fand erstaunlich gut zu ihm passte. Er hatte nicht im diesem, aber im letzten Jahrhundert vermehrt mit der Klinge geübt, ehe er nach gut fünfzig Jahren die Lust daran verloren hatte. Doch als seine Hand den Griff umklammerte, kamen die Erinnerungen an die Bewegungen, an die Haltungen und an die Schlagtechniken wieder zum Vorschein. Im Laufe der Zeit hatte er mit drei Waffenmeistern zusammen geübt, jeder davon ein mit einer eigenen Handhabung der Waffe.
„Warum hab ich das damals überhaupt aufgegeben?“ Er konnte sich nicht daran erinnern. Es war wie so vieles in seinem Leben einfach irgendwann uninteressant geworden. Doch nach ein paar kurzen Bewegungen, Ausfallschritten und Schlägen ins Leere, klemmte er sich die Waffe erneut unter die Achsel und ging mit einem breiten Lächeln in Richtung des Dorfes. Es würde funktionieren … Er hatte sich Vorwürfe gemacht, sich selbst als Selbstsüchtig angesehen da er jetzt, wo er zum ersten Mal so empfand, störrisch an der Frau festhielt und sie so vielleicht sogar entwurzeln könnte. Doch war all dies gar nicht notwendig. Dank des Schicksals, dass es in diesem Moment zweifelsohne Gut mit ihm meinte.
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Mo Jan 12, 2015 12:18 am

"Du siehst glücklich aus", bemerkte Guineveres leise Stimme ein paar Schritte von Feredir entfernt, wo sie mit einem feinen Lächeln stand und nun mit langsamen ruhigen Schritten auf ihn zutrat. Sie hatte ihn beobachtet, wie er zuerst mit der fremden Waffe gegen sein eigenes Element gekämpft hatte, Bewegungen vollführte, von denen sie nichts verstand - das, wovon sie jedoch etwas verstand, war das glückliche Lächeln, das sich auf seinen Zügen wiederspiegelte und das für einen Augenblick auch ihr eigenes Herz ein wenig schneller schlagen ließ. Die Waffe, die er bei sich trug, war ohne Zweifel eine ihres Volkes und sie ahnte bereits, woher er sie hatte, nachdem ihr Vater bereits in den frühen Morgenstunden sein eigenes Haus verlassen hatte - im Stillen dankte sie ihm dafür, dafür, dass er so viel Verständnis mit ihr aufbrachte und ihr wirklich die Gelegenheit gab, hier glücklich zu werden statt einen Tag nach dem anderen vergehen zu lassen, während sie selbst stets dieselbe blieb. Am gestrigen Tag noch war ihr das unsterbliche Leben so furchtbar vorgekommen, von dem sie befürchtet hatte, es allein durchleben zu müssen, nachdem Ingwe sie so harsch und grob unterbrochen heute, doch das Gespräch mit Beriadan hatte so viel verändert.
"Es tut mir leid, dass Ingwe dich so angegangen ist ... es war alles meine Schuld und du musstest dafür leiden", begann sie dann mit ebenso leiser Stimme, als sie neben ihm zum Stehen kam und nicht so recht wusste, wie sie reagieren, geschweige denn, was sie sich erlauben konnte und was nicht. Noch immer lagen wissende und wachsame Augen auf ihnen, aber sie fürchtete nicht mehr den Zorn ihres Vaters und es machte all das so viel einfacher für sie - so viel leichter sich hier und jetzt wieder fallen zu lassen.
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Feredir

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Mo Jan 12, 2015 12:27 am

Augenblicklich ließ er die Waffe, die bis dato noch unter seinen Arm geklemmt war fallen und mit freudiger Miene stand er vor der Anderen, umfasste ihre Taille, zog sie schließlich näher zu sich und schloss für einen Augenblick lang die Augen. „Dir muss nichts leidtun, gar nichts. Danken sollte ich dir vielmehr. Und das von jetzt an jeden Tag aufs Neue.“ Ohne Umschweife küsste er sie erneut, in dem Wissen das er dieses Mal damit keine Grenze überschritt, kein Tabu brach und keine Angst haben musste, er oder gar Guinevere würden dafür bestraft werden. Es war noch immer so konfus, so seltsam allein durch die Anwesenheit einer anderen Person ein solches Gefühl zu erleben, solche Freude zu spüren und … glücklich zu sein. Nicht durch Intimität, durch Rache oder durch die bloße Schadenfreude. Nur durch Sie.
„Dein Vater gab mir dieses Schwert. Er sagte mir es gehörte mir, als Zeichen des Vertrauens. Um mit eben dieser Waffe auf dich acht zu geben, auf dass dir nie etwas passiert.“ Sacht strich er mit seinen Fingern ein paar verirrte Strähnen hinter ihre Ohren, legte seinen Kopf an ihren und sank schließlich auf die Knie.
Das solche Momente nicht für die Ewigkeit waren war ihm bewusst. Doch war er einzigartig, etwas an dass er sich erinnern würde und etwas, das einen Wendepunkt darstellte. „Ich danke dir. Dafür das du mir verziehen hast, dass du an diesem Tag aufgetaucht bist.“
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Mo Jan 12, 2015 12:39 am

Es war noch immer fremd, die Hände um ihre Taille zu spüren, die Lippen auf den ihren zu fühlen und nur allzu bereitwillig ließ sie sich in jene Umarmung sinken, weil es genau das war, was sie wollte und was ihr niemand mehr würde zerstören können. Sollte Ingwe sich darüber auslassen und versuchen, sie erneut voneinander zu trennen, dieses Mal würde sie nicht furchtsam zurückweichen oder ihm gehorsam folgen und als er jetzt vor ihr zu Boden sank, begann sie leise zu lachen ehe sie nach seinen Händen griff, um ihn behutsam wieder zu sich hinauf zu ziehen. "Wenn wir damit beginnen würden, würden wir beide noch am Abend hier vor dem anderen auf den Knien sitzen, weil wir immer wieder etwas Neues finden würden", erwiderte sie schließlich lediglich mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen, von dem sie nie zuvor gedacht hatte, dass es ihr nach all den Erlebnissen so leicht fallen würde und noch bevor er ihr etwas entgegen setzen konnte, trat sie einen weiteren Schritt nach vorn und löste eine Hand von seiner Hand, nur um sie hinauf zu seinem Nacken zu führen und ihn daran zu sich hinunter zu ziehen und ihn sanft zu küssen.
"Guten Morgen", wisperte sie leise als sie sich wieder von ihm löste und einen halben Schritt zurück setzte. Es war seltsam und fremd, alledem, was sie fühlte Ausdruck verleihen zu können und dennoch hatte sie sich nie in ihrem Leben zuvor so frei gefühlt in ihren eigenen Entscheidungen und Entschlüssen. Das, was sie wollte, war bei ihm zu sein - in seiner Nähe und das Lächeln zu sehen, zu dem er fähig war, wenn er sie ansah und das sie noch nie zuvor auf seinem Gesicht gesehen hatte. Sie war wahrhaft glücklich hier zu sein, nur weil er da war und alles andere begann an Bedeutung zu verlieren, die vergangenen Ereignisse ihren Schrecken zu verlieren, der sie zuvor noch in seinem Bann gehalten hatte. "Du wirst die Waffe gut einsetzen, das weiß ich."
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Mo Jan 12, 2015 12:52 am

Erst nach einer Weile löste er sich vor ihr, strich ihr noch einmal über die sanfte Haut im Gesicht, ehe er mit einem Lächeln den Kopf schüttelte. „Wenn ich es einsetzen werde, dann um dich oder das was wir irgendwann einmal erreichen wollen zu schützen. Allerdings wäre mir es lieber, wenn ich es für die nächste Zeit nur spazieren tragen muss.“ Er griff erneut nach der Waffe, hielt sie jedoch an der flachen Seite der Klinge, den Griff gen Boden gerichtet um diesen nicht unnötig aufzureißen. „Guten Morgen.“ Erinnerte er sich nun, als er einen Arm um ihren Rücken geschoben hatte ebenfalls, während er ein paar Schritte weiter machte. „Ich kann noch immer kaum glauben dass Beriadan dem allen tatsächlich zugestimmt hat. Ich muss ehrlich sagen … ich habe ihn falsch eingeschätzt. Ich war der festen Überzeugung er würde mir so lange zusetzen, bis ich mir irgendwo in der näheren Umgebung ein Erdloch suchen muss in dem ich mich vor ihm verstecken kann. Aber scheinbar scheint sich dieser Tage einiges zu ändern …“
Er lachte, herzhaft und ehrlich, so, wie er es lange nicht mehr getan hatte. „Nun … was tun wir mit diesem gerade erst angebrochenen Tag? Es muss seltsam klingen, aber jetzt da mit einem Mal alle Sorgen von mir losgelöst sind, fühlt sich mein Kopf gerade erstaunlich leer an.“ Und noch bevor Guinevere etwas erwidern konnte, küsste er sie und strich ihr über die Schulter. „Im durchweg positiven Sinne Leer, Majestät. Eine derartige Ruhe hatte ich bisher nie.“
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Mo Jan 12, 2015 1:02 am

So oft schon hatte sie fremde Paare glücklich Arm in Arm in den Straßen gesehen und stets hatte sie sich gefragt, ob sie eines Tages auch dieses Glück empfinden würde - dass sie nun eben jenes Glück an der Seite eines Mannes empfand, den sie noch vor einigen Monaten für einen Verräter gehalten hatte, wollte ihr noch immer nicht so recht in den Sinn, nicht nach all den schrecklichen Dingen, die geschehen waren und insbesondere nicht, nachdem sie bereits beinahe ihren Glauben an Hoffnung und Zuversicht verloren hatte. Am gestrigen Abend, als sie Beriadan davon erzählt hatte, was zwischen ihnen beiden stand, hatte sie geglaubt, er würde die Beherrschung verlieren und ihn auf der Stelle hinrichten lassen, weil er nicht wollte, dass sie einen Fehler machte, doch das Gegenteil war der Fall gewesen - er hatte es verstanden und ihnen eine Chance gegeben, ihr eine Möglichkeit eingeräumt und mit jedem Blick auf das filigrane Schwert, das Feredir inzwischen trug, dankte sie ihrem Vater einmal mehr dafür. "Er wird dich mögen lernen, wenn er erst nicht mehr glaubt, dass jeder Mensch uns verraten will. Einstweilen akzeptiert er dich und das ist mehr, als ich zu hoffen gewagt habe", antwortete sie ihm auf die erste Äußerung und für sich selbst noch einmal still lächelnd ehe sie über seine zweite Frage nachzusinnen begann. Ihre Tage hatten bislang aus dem Lernen bestanden, daraus sich auf das vorzubereiten, was einmal ihr Volk sein würde und wie sie sich am Besten dort integrieren könnte, doch damit wollte sie ihn weder belangen, noch stand ihr der Sinn danach.
"Du kennst diesen Wald nicht und ich bin bislang noch nicht oft aus der Stadt gekommen. Lass uns einfach gehen - es ist hier sicher und niemand kann uns mehr belangen", schlug sie vor. "Außerdem bin ich froh darüber, aus der Reichweite des Vogels zu kommen, der uns gestern aufgehalten hat."
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