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 Mittelpunkt des Waldes

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Der Erzähler
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BeitragThema: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 7:58 pm

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 9:15 pm

Der Wald in seiner Art und seiner Lebensstruktur, war einzigartig. Er erzeugte ein eigenes kleines Biotop in dem sich jedes, egal welches Wesen, heimisch fühlen konnte. Man hatte ihm einfache Kleidung gegeben, nichts das an die Finesse und die Geschmeide der Schneiderei kam, die man Guinevere übergeben hatte. Doch sie war warm, leicht, hatte einen angenehmen Stoff und vor allem – sie war sauber. Man hatte es ihm erlaubt sich zu waschen und nun, da er nicht wusste wohin mit sich und seiner neu gewonnen Kraft, durchstreifte er das Herz des Waldes, in welchem man alle paar Meter ein neues Haus sehen konnte, dass mit den Bäumen verwoben war. Die Einwohner mieden ihn größtenteils, was anfangs noch recht praktisch, inzwischen allerdings fast störend war, denn nach einiger Zeit fühlte er sich ein wenig wie ein Tier im Käfig, das jeder Schaulustige begaffen und Piesacken konnte, wenn ihm denn danach die Lust stand.
Er hatte immer wieder nach der Prinzessin gefragt, doch die zwei Wächter, die vor ihren Gemächern Wache hielten, hatten stets mit knappen Worten geantwortet. „Sie Sei indisponiert“ oder „Derzeit mit wichtigeren Dingen beschäftigt“ und ihr Akzent war dabei derart stark ausgeprägt gewesen, dass sich Jonathan erst im Nachhinein einen Reim auf die Worte machen konnte. Doch scheinbar schien die Sprache der Menschen hier eine bekannte zu sein, zumindest für einige. Ein Alter Elf, der scheinbar zu viele Jahreszeiten gesehen hatte als das er noch wahren Hass verspüren konnte, hatte ihm ein paar Bücher aus der hiesigen Bibliothek gegeben, in dem das gesammelte Wissen seines Volkes ruhte. Natürlich waren es keine Raritäten, eher alte Abschriften die schon etliche Neuauflagen hatten, doch allein die Schrift, die Form und Anmut der Buchstaben hatte ihn fasziniert. Jedoch gab es kein einziges Wörterbuch und keiner der hier lebenden war bereit ihm die Sprache zu erklären, ihn darin einzuweisen, sodass er sich schlussendlich nur die Illustrationen angesehen, und die Bücher dann wieder abgegeben hatte.
Und genau das hatte ihn schließlich dazu gebracht, die einzigartige Umgebung des Waldes in seiner vollen Gänze aufzunehmen und mit halb geschlossenen Lidern saß er an einem Baum, lauschte dem Gesang der Vögel, die scheinbar nur hier und nirgendwo sonst beheimatet waren.
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 9:31 pm

Während Jonathan die Gastfreundschaft der Elfen ohne Zweifel genoss, regten sich in Wilfried leise Zweifel. Nur mit langsamen Schritten nährte er sich Jonathan, so als befürchtete er, der Andere würde wie ein aufgeschrecktes Reh davon springen. »Hallo Jonathan« meinte er leise und seine Stimme war belegt, beinahe rau. Die Kleidung hatte er gewechselt - irgendwoher hatten die Elfen Kleidung aufgetrieben, die seinem Stand angemessen waren und den Schnitt der Menschen aufwiesen. Für eine kurze Zeit hatte sich Wilfried gewundert woher die Elfen an solche Gewänder kamen, bis ihm eine kleine Naht oberhalb des Herzens aufgefallen war, die ein unkundigeres Auge mit Sicherheit übersehen hätte. »Sie beobachten uns auf Schritt und Tritt« meinte er leise, noch leiser als zuvor und ließ sich neben den Jüngeren ins Gras sinken. Diese fremde Atmosphäre beruhigte ihn nicht, ganz im Gegenteil - sie wühlte ihn auf und die Härchen an seinen Armen stellten sich auf. Irgend ein tierischer Instinkt in ihm wollte fliehen - weit fort von hier.
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 9:40 pm

„Würdest du es nicht tun?“ Erkundigte sich Jonathan, holte noch einmal tief Luft und schlug die Augen dann vollends auf. Er brauchte einen kurzen Augenblick bis er sich wieder an die Helligkeit gewöhnte, die seinen Augen so ungewohnt war. Denn es war kein pralles, starkes Sonnenlicht wie er es zu den Sommertagen seiner Heimat kannte. Es war ein Zusammenschluss der Lichter, die die Elfen hier ihren Laternen angezündet hatten, aus dem Leuchten der natürlichen Mineralien die man von Zeit zu Zeit auf dem Boden sah, und dem schwachen Schein einer Sonne, das durch die Baumwipfel auf unerklärliche Weise leicht bläulich gefärbt wurde. „Würdest du nicht Fremde beobachten, dessen Artgenossen deine eigenen Landsleute getötet haben und noch immer töten?“ Er war selbst überrascht über seine kritische Äußerung Wilfrieds gegenüber, doch stimmte es ihn trübe, dass er diejenigen, die sie, egal aus welchem Grund, bei sich aufgenommen hatten und sie nun bewirteten, ohne dafür etwas zu verlangen.
„Wir sind Gäste hier Wilfried und als solche sollten wir uns auch dementsprechend unterhalten. Sie haben uns eine große Ehre erwiesen, uns mit in ihrem Wald zu nehmen und wir können ihnen und Guinevere dafür nicht oft genug danken. Was denkst du wie lange wir auf der Straße noch weiter gekommen wären? Drei Tage? Eine Woche? Sie haben uns gerettet. Es ist ihr gutes Recht vorsichtig zu sein.“
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 9:49 pm

»Bist du wirklich so blind?« echote Wilfried leise und schüttelte den Kopf. »Hör mir mal zu, Jonathan. Ich weiß, dass es wirklich schöne Märchen über Elfen gibt - mein eigener Vater strebte einen Friedenspakt zwischen Elfen und Menschen an. Aber falls es dir nicht aufgefallen sein sollte - die Menschen haben ihren Botschafter getötet. Das Oberteil hier haben sie einem Adligen vom Leib gerissen, nachdem sie ihn mit einem Pfeil durchbohrt haben. Diese Elfen töten Menschen, während dort draußen Menschen wiederum Elfen töten. Der Elfenkönig hat nicht uns, sondern die Prinzessin gerettet die - streng genommen - nicht einmal ein Mensch ist. Wir waren nur zufällig dabei und der einzige Grund wieos wir überhaupt noch leben ist der, dass Guinevere sich für uns eingesetzt hat. Aber wie lange noch? Du kannst doch unmöglich glauben, dass der Elfenkönig uns eben hier behalten wird, wenn er Guinevere ihrer Bestimmung als Königin über die Elfen zuführen möchte. Jonathan, verstehst du denn nicht? Wir sind hier in Gefahr!«
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 9:58 pm

„Und was gedenkst du nun dagegen zu tun? Weglaufen? Nun du kannst dieses Unterfangen wagen, aber sicherlich ohne mein Zutun!“ Seine Stimme wurde strenger, blieb jedoch gedämpft, dem Respekt der anderen Bewohner des Waldes im Hinterkopf, die in dieser Stille vermutlich eine ähnliche, vermutlich sogar stärkere Ruhe fanden als er selbst. „Das hier ist, wie du richtig erkannt hast du Hoheitsgebiet der Elfen. Es gibt keinen Steinen, keinen Baum, kein Tier das sie nicht kennen und wenn du ihnen die Augen verbinden würdest, würden sie uns noch immer auf hundert oder mehr Schritt Entfernung töten können. Es wäre ein leichtes für sie es auch jetzt zu tun, denn außer ihre Ressourcen und Vorräte zu dezimieren tuen wir hier reichlich wenig. Doch bisher sind wir noch am Leben, nun abgesehen von deinem klaren Verstand, denn der scheint bereits im Sterben zu liegen.“
Ein kurzes Kopfschütteln folgte, ehe er sich wieder an die große Eiche lehnte, an der er seinen Platz gefunden hatte und die Hände kurz über sein Gesicht streifen ließ. Natürlich waren die Sorgen des anderen berechtigt, doch war es töricht sie einfach so auszusprechen, wo er doch selbst festgestellt hatte, dass sie vermutlich verfolgt und belauscht wurden. „Weder können wir ohne ihren Willen hier heraus, noch hat man uns bisher irgendetwas verwehrt, denn ein Schwein das man bald schlachtet, umsorgt man keineswegs im übertriebenen Maße. Und das sind nur zwei der Gründe, warum wir in der nächsten Zeit hier verweilen werden. Denn wie sieht, wenn ich fragen darf dein Plan aus? Der Plan des Großen von Königsberg? Willst du dein Fürstentum allein mit einem gestohlenen Schimmel und einem angespitzten Stock zurückerobern? Oder willst du andere Herrscher darum bitten, dir zu helfen? Denn Guinevere ist, wir mir scheint in Sicherheit und ich bezweifle das sich ein König, Kaiser oder Schaar sich für das Schicksal eines einzelnen Fürsten interessiert.“
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 10:05 pm

"Graf.... ich bin ein Graf du Kretin! Ich nenn dich ja auch Schmied und nicht Schweinehirte, oder etwa nicht? Und was das Schwein betrifft - dies mästet man doch auch, bevor es zur Schlachtbank gezerrt wird oder? Nein, nein in Ordnung - ein reichlich dummer Vergleich. Schau mich nicht so an, ich glaube natürlich nicht, dass sie uns essen wollen" er schüttelte den Kopf.
"Aber du hast Recht, natürlich hast du Recht. Du bist hier in Sicherheit, von dir wollen sie nichts und Guinevere mag dich. Ich bin derjenige, der ein Problem hat wenn es hart auf hart kommt - denn wie du bereits so treffend festgestellt hast bin ich der mit dem Titel. Wer weiß, vielleicht machen die Großmeister dem Fürsten einen guten Preis für meine Auslieferung. Verdammt noch mal... wo bin ich hier nur herein geraten." Wilfried verstummte, ließ die Schultern sinken. "Mein ganzes Leben wollte ich die Elfen sehen. Ich habe sogar die paar Wörter, die ich in unserer Bibliothek finden konnte gelernt. Mein Vater und ich haben versucht einen Frieden auszuhandeln und nun? Die Königsfamilie tot, mein Vater wahrscheinlich auch und ich bin bei den Elfen, wo ich immer sein wollte. Und nie war ich so unglücklich wie zu jenem Augenblick"
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 10:18 pm

„Wenn ich dir zumindest einen Teil deiner Furcht nehmen darf Wilfried, ich denke nicht dass sie dir irgendetwas antun werden oder dass sie Lösegeld für dich verlangen werden. Ich habe nie an er Grenze des Waldes gelebt und bis ich Gunievere kennenlernte war ich nicht einmal in der Nähe davon doch mir scheint … dass Sie vieles sind, aber keine, die in verzweifelten Situationen zu allem bereit sind. Es gibt ein Gastrecht, bei uns wie auch bei ihnen, zumindest hörte ich davon und so verschiedenen wir auch sein mögen, unser Stolz und unser Ehrgefühl eint uns doch. Nun, zumindest hoffe ich das.“ Er spielte mit dem Ende seines Ärmels, fuhr mit der Hand über den weichen Stoff, den er, so sehr er sich auch konzentrierte, nicht zu erkennen vermochte, denn er wirkte stark und dick wie Hanf, war jedoch nicht so störrisch wie eben dieser, sondern so biegsam und geschmeidig wie feinste Leinen.
„Und das Werk deines Vaters, denkst du nicht dass es hier fortgeführt werden kann? Wie uns die Umstände auch hierher gebracht haben mochten, ich denke nicht dass in den letzten Jahrhunderten ein Mensch diesen Ort hier lebend zu Gesicht bekommen hat. Und wenn das nichts zu bedeuten hat …“ Er lachte, ehrlich und erleichtert, wie er es schon seit langem nicht mehr getan hatte. Denn dieser Ort hatte etwas befreiendes an sich und auch wenn er wusste, dass bei weitem nicht die ganze Welt in den Fugen war und auch ihr Land immer noch Hilfe benötigen würde, so gab ihm dieser Wald, dieser Baum an den er sich anlehnte jedoch Halt. „Friedengespräche beginnen, zumindest meines Wissens nach immer damit, dass sich zwei Vertreter einer Fraktion ruhig gegeben überstehen und miteinander reden. Natürlich bin ich nur ein Schmied aber … ich denke dass wir genau diese Situation hier ohne weiteres herbeiführen können. Die Frage ist also eher die, ob du dies auch willst.“
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 10:30 pm

"Nichts würde ich mir lieber wünschen als Frieden zwischen unseren Völkern. Wir könnten so viel von ihnen lernen, so...." er haderte mit sich, schien keine Worte zu finden und gestikulierte für einen kurzen Moment verloren, ehe er verstummte. "Ich weiß nur nicht ob sie dazu bereit sind - immerhin hat der letzte Versöhnungsversuch nicht nur ihren Abgesandten das Leben gekostet, sondern auch Guineveres Eltern sind gestorben - und einer von den beiden wird auch ein Nachfahre des Elfenkönigs gewesen sein. Wenn ich mir überlege, dass mit Guinevere auch nocht die letzte Angehörige dieses Geschlechts beinahe wegen mir und meinem Vater gestorben wäre..." er schüttelte den Kopf als ihm fröstelte.
"Ich fürchte den Groll der Elfen - doch ich will Frieden. Ein neues Reich in dem Menschen und Elfen gemeinsam leben können. Ein Reich, befreit von der Tyrannei der Großmeister. Fernab von alle dem hier"
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 10:51 pm

Leise raschelte der feine Stoff mit jedem einzelnen Schritt, den Guinevere setzte bis sie an der Kante der Treppe angelangt war, an deren Ende sich ihre beiden Wegbegleiter aufhielten und darüber sprachen, was dieser Wald nun für sie bereit halten würde. Ruhig setzte sie einen Schritt nach dem anderen hinab, während sich ein schmales Lächeln auf ihren Zügen wiederfand, als sie dem Gespräch der beiden lauschte und sich einstweilen entschied, sich nicht weiter einzumischen. Seit ihrer Ankunft hier waren Stunden vergangen und inzwischen fiel eine rote Dämmerung durch das dichte Blätterwerk und tauchte den Ort in ein unwirkliches Licht, das die harten Gesichter der beiden Menschen weicher zeichnete als sie es in Wahrheit waren.
Beluvien hatte sich gut um sie gekümmert, hatte es ihr ermöglicht ein paar Stunden der Ruhe zu finden, in denen sie sich selbst wieder säubern konnte, in denen sie traumlos und ruhig hatte schlafen können ehe die Elfen ihr dabei geholfen hatten, die neuen Kleider anzulegen, die sich gänzlich anders anfühlten als jene, die sie zuvor gewohnt war. Mit jeder Stunde, die sie hier verbracht hatte, jeder Veränderung, die ein paar der Elfen an ihr vorgenommen hatten, fühlte sie sich weniger wie der Mensch, als der sie am heutigen Morgen mitten in einem fremden Wald aufgewacht war und als sie, auf Bitte Beriadans, in einen der Spiegel geblickt hatte, erkannte sie keinen Menschen mehr in sich selbst. Sie war verwirrt und verängstigt gewesen von der Verwandlung ihrer selbst, von den fremden Kleidern an ihrem Leib, den offenen, dunklen Haaren, die sie zuvor niemals hatte so tragen dürfen und den spitzen Ohren, die zwischen den dunklen Wellen hervor geblickt hatten, nachdem die Elfen den Schutzzauber von ihr genommen hatten, der diese zuvor verborgen hatte.
"Ihr denkt zu schlecht von ihnen", erhob sie schließlich leise die Stimme als sie das Ende der Treppe erreichte und löste langsam eine Hand von dem Geländer, an welchem sie sich gehalten hatte, um nicht in den langen Gewändern, die sie trug, ins Stolpern zu geraten. "Sie haben uns vor den Großmeistern geschützt und halten uns auch jetzt noch vor ihnen versteckt. Ihr solltet hier zur Ruhe kommen, statt auch hier Verrat zu wittern", sprach sie weiter und neigte sanft den Kopf ein Stück, um die beiden Begleiter zu begrüßen. "Ich hoffe, ich störe euch beide nicht."
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 11:03 pm

Er hatte die Schritte von Gunivere nicht gehört, was wohl weniger an der regen Konversation mit Wilfried, als vielmehr an ihren bedachten, ruhigen Schritten lag und als er sie, nach fast einem Tag zum ersten Mal wieder zu Gesicht bekam, traute er seinen Augen nicht. Die Frau vor ihm war ihm bekannt, gleichzeitig jedoch auch so fremd, dass er einen Augenblick die Luft anhielt und zu prüfen versuchte, ob es nicht doch eine der elfisches Damen war. Doch ihre Stimme war unverkennbar und die gleiche wie zuvor, ebenso ihre Augen, die nun jedoch nicht bittend oder verzweifelnd fragend auf ihm lagen, sondern mit einer Ruhe, die er in ihr noch nie gesehen hatte.
„Prinzessin.“ Er neigte den Kopf und schloss einen Augenblick die Augen, konnte sich eines Lächelns jedoch nicht verwehren. Es beruhigte ihn zu sehen dass dieser Ort anscheinend auf sie eine ähnliche Wirkung hatte, wie es auch bei ihm der Fall gewesen war. Doch hatte sie sich auch rein äußerlich verändert, denn als er nach einer Weile den Kopf wieder hob, sah er feine, spitze Ohren, Haar das offen auf ihren Schultern und frei von jeglichem Knoten war. Und einen Blick, der wärmer nicht hätte sein können.
„Du hast Recht. Verzeih mir bitte.“Bestätigte er die andere, neigte erneut demütig den Kopf und formte die Lippen dann erneut zu einem Lächeln, konnte er eben dieses doch kaum verhindern, als er Gunievere derart ruhig und zufrieden sah. „Du siehst beeindruckend aus, wenn mir gestattet ist das zu sagen. Ich habe bereits mehrfach versucht zu dir zu gelangen, deine Wächter allerdings übten ihre Aufgabe alles andere als schundhaft aus.“
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 11:10 pm

"Eure Hoheit" unterbrach sich nun auch Wilfried und lüftete den Hut, ehe er auf ein Knie sank und sich die Mylan fest auf die Brust drückte. Ihre Ausstrahlung war von jetzt auf gleich gewechselt, hatte sich in ein angenehmes Gegenteil verkehrt. Nicht mehr furchtsam sondern gelassen. Nicht mehr flehend, sondern bestimmend. Nicht mehr von Enttäuschung zerfressen sondern in sich selbst gefunden. "Es freut mich euch Wohlauf zu sehen Prinzessin" flüsterte er leise, geradeso als fürchtete er, dass jedes zu laute Wort das zärtliche Wesen vor sich zerbrechen könnte.
Er war sich die ganze Zeit über schon sehr fremd hier vorgekommen, doch nun zu sehen wie gut sich Guinevere eingliederte, wie genau sie hierher passte wie das lange verlorene Teil eines Puzzles - all dies sorgte dafür, dass er sich fühlte wie ein gehöriger Trampel, ein Ochse in einem Blumenfeld voller Margeriten. "Ist es euch auch gut ergangen?"
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 11:31 pm

"Natürlich. Dies hier ist, so merkwürdig es mir auch zu Beginn schien, alles, was noch von meiner Familie übrig geblieben ist und sie beschützen uns. Es mag mir bislang nicht bekannt gewesen sein, aber ich fühle mich hier zum ersten Mal seit Wochen sicher und geborgen, bei Wesen, zu denen ich schon immer gehörte, selbst wenn ich das bislang nie wusste", lautete Guineveres Antwort als sie neben die beiden trat und noch einmal sacht den Kopf neigte, um sich für die Komplimente zu bedanken, die ihr gemacht worden waren. Etwas in ihr war mit den Stunden des Schlafes und einem warmen Bad angekommen, hatte endlich verarbeiten können, was über all die Zeit geschehen war, in der sie stetig von einem Ort zum nächsten gewandert waren, immer in der Furcht man könne sie schnappen. Hier endlich schlafen zu können, ohne zu befürchten erneut von Dunkelheit, Feuer oder anderen Elementaren geschnappt zu werden, hatte dafür gesorgt, dass alle Anspannung endgültig von ihr abgefallen war.
Beriadan hatte sich Zeit für sie genommen, hatte ihr viel von alledem erklärt, was seit Jahrhunderten vor sich ging und dass die Großmeister ihn stets davon abgehalten hatten, sich an seine Familie zu wenden und Guinevere hatte ihn verstanden, froh darüber, dass ihr wenigstens jetzt die Gelegenheit gegeben worden war, Zeit mit ihm zu verbringen. Für sie war er ihre Familie geworden, ihr Vater, weil dies das einzige Wort war, das sie noch in seiner Sprache beherrschte und als sie sich schließlich von ihm verabschiedet hatte, um nach Wilfried und Jonathan zu sehen, hatte sie ihm versprochen, sobald wie möglich zurück zu kehren.
"Wie ist es euch beiden ergangen? Ich hoffe, sie behandeln euch ebenfalls gut, selbst wenn ihr beide Menschen seid?"
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 11:40 pm

„Nun wir werden größtenteils nicht beachtet, doch die Elfen die unsere Sprache sprechen sind durchaus bereit, zu helfen wo sie nur können. Ich habe mir einige Bücher geben lassen, freie Dokumente die auch unsere Sprache beinhalten, in der Hoffnung ich könnte dadurch etwas von der Sprache dieses … deines Volkes lernen. Allerdings handelte es sich dabei nur um die Abbildung einzelner Dokumente der Menschen, die in einer Schrift beurteilt wurden, die mir fremd ist. Und sonst darf ich nicht klagen. Man lässt mich frei durch den Wald gehen, gab mir zu essen und die Möglichkeit mich zu waschen, und zu guter Letzt ein paar frische Kleidungsstücke.“
Als er erneut ihr warmes, frohes Lächeln sah, erwiderte er es mit dem gleichen Ausdruck und sah sich erneut in dem Wald um, der so voller Leben steckte. Leben das sich nicht gegenseitig zu vernichten versuchte, sondern das friedlich miteinander existierte.
„Es ist beeindruckend wie sehr ein warmes Bad und ein wenig Ruhe die Sichtweise auf bestimmte Dinge verändern kann.“ Fügte er noch hinzu, als er sich erneut darüber bewusst wurde, was er noch vor gut einem Tag von den Elfen gehalten hatte. Natürlich waren bei weitem nicht alle Vorurteile gänzlich verschwunden, doch die Magie dieses Ortes und die Tatsache, dass man sie hier duldete waren zwei Dinge, die sein bisheriges Bild dieses Volkes grundlegend erschüttert und kurz darauf geändert hatten.
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    So Dez 21, 2014 11:57 pm

"Sie behandeln uns anständig. Wir sind geduldet und man zürnt uns nicht. Zumindest nicht persönlich. Natürlich ist eine gewisse.... Distanz merklich, aber etwas anderes zu erwarten wäre reichlich unfair. Unser Volk hat ihnen viel Leid angetan. Wusstet ihr, dass kein einziger Elf mehr lebt, der noch an der großen Schlacht gegen die Menschen teilgenommen hat? Nun, bis auf ihren König versteht sich - der Krieg gegen uns und die Fehden die wie am Rande des Waldes austrugen haben nicht nur uns sondern auch ihr Volk stark dezimiert. Das... haben wir damals von ihrem Gesandten erfahren. Die meisten Elfen, ja sogar der Großteil ist Jünger als 150 Jahre - sie sind quasi noch Kinder. Und wir liefern uns einen Krieg mit ihnen. Wofür eigentlich?" er schüttelte den Kopf, sah sie aus müden und traurigen Augen an. "Mein Vater und ich wollten dies ändern und haben euch ins Unglück gestürzt. Ich wünschte nur, ich wüsste was jetzt zu tun ist um es dieses Mal richtig zu machen"
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Mo Dez 22, 2014 12:07 am

"Euer Vater hätte all die Fehden am Rande des Waldes niemals zulassen dürfen, wenn er wirklich etwas hätte ändern wollen, um mit den Elfen in Kontakt zu treten. Sie haben sich nicht verweigert und sie hätten es gewiss auch zuvor nicht getan, wenn Ihr ihnen nur eine Chance gelassen hättet", lautete Guineveres Antwort, die sie an Wilfried richtete ehe sie den Kopf schüttelte und sich selbst eine Närrin schallte. Es war zu spät, um noch weiter darüber zu debattieren, was sie hätten tun können und womit vielleicht eine Änderung geschehen wäre - die Elfen waren tot, der Gesandte war von den Großmeistern ermordet worden und letztlich blieb auch ihnen nun nichts weiter übrig als hier zu bleiben. Ein Umstand, der Guinevere weit reizvoller erschien als der Gedanke daran, diesen Wald erneut verlassen zu müssen, um sich den Großmeistern zu stellen - jenen Wesenheiten, die sie über all die Jahre hinweg belogen hatten und die gemeinsam mit von Königsberg daran die Schuld trugen, dass ihre Eltern ermordet worden waren.
"Es ist vollkommen gleichgültig, was geschehen ist. Die Elfen werden sich nicht erneut auf ein Gespräch mit den Großmeistern oder den Adligen einlassen und es ist ihnen nicht zu verdenken. Sie wollen den Tod der Großmeister und bislang bin ich durchaus dazu geneigt, sie in diesem Vorhaben zu unterstützen, haben sie uns doch bisher nichts anderes außer Leid und Tod gebracht", führte sie fort und ließ sich auf einer der Bänke sinken, die Hände in ihrem Schoß zusammen gelegt und Wilfried und Jonathan noch einmal musternd. Dieses Reich brauchte endlich die Freiheit, entscheiden zu können und nicht in Angst vor den mächtigen Elementaren immer wieder aufs Neue zu erzittern. "Und wenn ich ehrlich bin, dann scheint es mir reizvoller hier zu bleiben, statt wieder zurück in die Hauptstadt zu kehren. Ich gehöre nicht zu den Menschen, das habe ich jetzt bemerkt - alles, was ich kannte war eine Lüge der Großmeister. Dies hier ist meine Familie. Das ist es, was ich wirklich bin."
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Mo Dez 22, 2014 12:24 am

"Ihr, was?" Wilfried wirkte mit einem Mal wie vor den Kopf gestoßen und spürte wie die Zornesröte ihm ins Gesicht stieg. Auch er hatte seine Familie verloren aufgrund einer guten Tat - und nun zu hören, wie das Mädchen das in ihrem Leben noch keinen eigenen Handschlag getan hatte nun redete wie eine hunderte Jahre alte Elfe, die sie einfach nicht war. "Prinzessin, bei allem Respekt - auch eure Eltern kämpften gegen die Elfen. Mein Vater versuchte stets Zwischenfälle zu vermeiden, aber wenn Angriffe der Elfne geführt wurden mussten wir uns verteidigen! Mein Vater tat alles um den Frieden so gut es ging zu wahren! Und es ist nicht die Schuld meines Vaters, das eure Eltern Blind den Großmeistern vertrauten! Mein Eltern sind ebenso tot wie eure Mylady und...." er biss sich auf die Zunge, hätte am liebsten etwas gesagt wie und bei mir ist kein Elf aus dem Wald gesprungen um mich zu adoptieren, schloss er mit: "daher fühle ich auch euren Verlust mit"
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Mo Dez 22, 2014 12:36 am

„Und die Vergangenheit ist unumkehrbar, wir Menschen haben Fehler gemacht, wir haben den Konflikt losgetreten, so sehr wir auch dagegen argumentieren und uns jetzt aus unserer Verantwortung zu stehlen ist ebenso armselig und scheinheilig wie das, was die Großmeister taten. Dass die Elfen ebenfalls Fehler begangen haben will ich keineswegs abstreiten, doch ich entferne mich von deiner Meinung Wilfried, denn ich bin keineswegs bereit deine Bigotterie zu teilen. Ich kannte die Politik deiner Eltern, die Götter mögen sie segnen, nicht, doch klingt sie mir ebenso zweischneidig wie alles andere in unserem Land.“ Er stand entfernte sich von der Eiche an die er sich so lange gelehnt hatte, zögerte dann jedoch einen Augenblick lang, als er vor Guinevere stand.
Er hatte so unglaublich wenig Wissen von der hohen Politik, von alle dem was man im Weltgeschehen beachten musste und bis vor kurzem hatte er sich nie damit auseinander setzen müssen, nun jedoch war er in der Situation, in der er gezwungen war sich zu entscheiden und Partei zu ergreifen. „Ich will mich für alles entschuldigen was zwischen Menschen und Elfen geschehen ist Guinevere und sollte du mein Angebot annehmen, so will ich dir weiterhin helfen so gut ich kann. Ich habe davor nie wirklich daran geglaubt aber das du an diesem Tag in meiner Schmiede aufgetaucht bist halte ich inzwischen für mehr als einen Zufall. Und ich danke dir dafür das du mir ermöglicht hast, die Welt durch mehr als nur das Fenster meines Hauses zu sehen.“ Er kniete auf einem Bein vor ihr, senkte erneut den Blick.
Denn wenn es irgendwann Frieden geben sollte, wenn endlich der Krieg zwischen beiden Völkern beendet werden sollte, dann wäre Guinevere wohl die geeignetste um dies zu erwirken.
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Mo Dez 22, 2014 12:46 am

"Oh ich bitte dich!" brach es nun doch aus Wilfried hervor. "Die Welt ist nicht so schwarz und weiß wie du sie gerne hättest - ich hätte euch gerne gesehen, Herr Schmied wie ihr schwierige Entscheidungen trefft, die hunderte von Menschen betrifft! Ich habe niemals behauptet ein heiliger zu sein. Aber Bigotterie? Was für ein hohes Wort für solch einen kleinen Mann" wie hatte es nur soweit kommen können? Sein Vater und er waren vor wenigen Wochen noch kurz davor einen ewigen Frieden zwischen Elfen und Menschen zu schaffen und dann ging alles den Bach runter. "Was ich will ist, Frieden zwischen Menschen und Elfen. Mein Vater und ich arbeiten jahrelang daran aber Jonathan Hadley, Schmied aus Leidenschaft entschuldigt sich für das was zwischen Menschen und Elfen geschehen ist. Wieso kamen wir denn nicht vorher darauf euch zu Fragen? Wo ihr doch die Macht habt es mit einer einfachen Entschuldigung die Schuld für alle Menschen einfach so zu tilgen?" er konnte einfach nicht mehr. Er versuchte alles, versuchte stets das Gute zu tun und irgend ein Leibeigener spielte sich nun als Richter über Gut und Böse auf.
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Mo Dez 22, 2014 1:06 am

Jonathan hatte sich mit einer einzigen Bewegung von dem Platz vor ihr erhoben und als Guinevere registrierte, was der andere vorgehabt hatte, war es bereits zu spät gewesen. Sie hatte den Schlag noch gesehen, der unmittelbar in dem Gesicht des anderen gelandet war und Wilfried zu Boden geworfen hatte, erkannte das Blut, das ihm übers Gesicht lief ehe er sich zur Seite rollte, um sich in wilden Flüchen hinzugeben. Das war es also, was sie eines Tages regieren sollte, wenn sie Wilfried folgte? Einen Haufen gewalttätiger Männer, die für ihr eigenes Ego einander verprügelten und dann doch nichts zu erreichen - das war es, was diesen ganzen Krieg vor über 600 Jahren vom Zaun gebrochen hatte und wegen dem so viele Unschuldige gestorben waren.
Kopfschüttelnd erhob sie sich von ihrem Platz, das Gesicht angewidert verzogen während sie die beiden am Boden nur für einen einzigen kurzen Moment beobachtete und sich dann doch entschied, von hier fort zu gehen. Sie wollte wieder zurück zu Beriadan, ihrem Vater, demjenigen, der sie beschützte und der nicht ohne Grund gegen Wilfried und Jonathan gewesen war. Sie hatte diese Zwistigkeiten in den Wald hinein gebracht, der sie so sicher aufgefangen hatte und in dem sie sich wohl fühlte - Beriadan hatte Recht gehabt, die Menschen waren nicht gut, sie gehörten hier nicht her.
Keiner von beiden bemerkte sie als sie die Treppen wieder nach oben schritt, den Kopf gesenkt haltend, weil sie nicht mehr wusste, was sie von beiden Parteien nun denken sollte, zwischen denen sie saß. Wilfrieds feindselige Worte über die Elfen, die freundlichen Gesten ihres Vaters und seine hasserfüllten Worte über die Menschen und Jonathans Versuch sie immer wieder zu stützen. Es passte alles nicht mehr zusammen und hatte sie sich zuvor noch so geborgen hier gefühlt, war jetzt nichts anderes mehr übrig als dieselbe Verwirrung, die sie bereits vor Stunden empfunden hatte.

tbc: bei dem großen Elfen
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Di Dez 23, 2014 9:46 pm

Die Elfen hatten ihn fest am Arm gepackt, ihn eine Weile lang grimmig angesehen, doch er hatte keinerlei Anstalten gemacht sich zur Wehr zu setzen, denn egal ob er sich nun losreißen und erneut zu dem König rennen würde, oder ob er stattdessen Guinevere aufsuchen würde, früher oder später wäre sein Ende doch in dem Kerker vorherbestimmt. Reichlich unspektakulär wenn er überlegte, dass er nach einer Auseinandersetzung mit den Großmeistern, der Flucht das der Hauptstadt und der Reise durchs Land schließlich in einem dunklen Kellerloch verrotten würde.
Guinevere würde ihn vielleicht noch einmal aufsuchen, doch was würde sie schon groß von ihm halten? Er hatte, so würde zumindest bald die allgemeine Aussage des Volkes sein, den Fürsten ihres Volkes verletzt, ihren Herrn und Meister. Und wie würde sie, die sie ihn als Vaterfigur gefunden hatte wohl verurteilen? Vermutlich ebenso, sie würde vielleicht einen kurzen Augenblick zweifeln, dann jedoch behaupten dass es richtig wäre. Nein, im nächsten Augenblick revidierte er seine unfairen, verurteilenden Gedanken. Sie würde ihn nicht derart leicht verurteilen, sie war eine gute Seele, jemand der versuchte das Gute im Menschen – oder im Elfen zu finden, doch auch mit ihrem Zuspruch würde er hier nicht lange überleben.
Als er aus seinem Gedankengang kam, sah er, dass sie sich bereits einem großen Geflecht von alten Eichen näherten, die, so schien es zumindest durch die tiefe Abgründe die durch die Öffnung zu sehen waren, von innen ausgehöhlt waren. Und er begriff dass die einzige Chance zu entkommen jetzt sei, die einzige Chance ihr weiterhin zu helfen ihr Land in Anspruch zu nehmen und ihr Geburtsrecht einzufordern, denn der Fürst würde sie hier behalten, abgeschottet von der Außenwelt. Die einzige Möglichkeit, sie irgendwann einmal, sollte er Glück haben, wiederzusehen.
Er setzte einen Fuß tollpatschig vor den anderen und die Elfen ließen ihn einen Augenblick lang los, da es so schien, als würde er stolpern. Kurz vor dem Aufkommen jedoch setzt er eben jenen Fuß nach vorn, stieß sich mit diesem in die entgegen gesetzte Richtung ab und rannte. Er rannte so schnell ihn seine Füße nur über den waldigen Boden, auf dem immer wieder vereinzelt Wurzeln zu sehen waren, tragen konnten und im vorbeirennen stieß er eine, recht überrascht drein schauende Truppe Elfen nieder, die Wilfried eskortierten. Diesen wiederum zerrte er mit, wobei dieser, warum auch immer, gefesselte Hände hatte. „Nicht fragen, rennen! Nein, Klappe, renn!“ Zu mehr kam er zwischen seiner Schnappatmung nicht.
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Feredir

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Sa Jan 10, 2015 10:05 pm

Es war erschreckend, wie neu es sich anfühlte gefangen genommen zu werden. Wobei neu nicht einmal der passende Ausdruck war. Vor langer Zeit, als er noch nicht die Unsterblichkeit durch sein Element erlangt hatte, war er einer der Aufsässigsten Anwärter in der arkanen Schule gewesen und mehr als ein Mal hatte er die eisernen Fesseln der Wachen an seinen Händen gespürt, ehe man ihm seiner Lehrerin übergeben hatte, denn die meisten der Vergehen magischer Natur wurden durch, wie man sich denken kann, Magier gerichtet. Doch eben diesen Augenblick wurden Erinnerungen in ihm geweckt, die er selbst lange vergessen hatte. Und ein kurioses Bild zeichnete sich in diesem Augenblick ab, denn während der Fremde in die Stadt geführt wurde, misstrauisch beäugt von den anderen Fremden, lächelte er. Denn er fühlte sich lebendig, lebendiger als bei jedem Akt, denn er seit langem vollzogen hatte.
Er stand vor nicht mehr als einem einfachen Holzstuhl, den man mit irgendeinem Stoff ausgepolstert hatte, den er nicht näher benennen konnte. Was im Grunde reichlich verwerflich war, denn seine Liebelei mit einer Vertreterin eben jenes Handwerkes war erst wenige Stunden her und bevor sie sich in die Stoffe gestürzt hatten, hatte sie eine lange Zeit geredet. Eine schier endlose Zeit.
Doch auch wenn es nur ein einfacher Stuhl war, so strahlte die Person die auf ihm saß, doch eine gewisse Autorität aus, der selbst er, der normalerweise nur wenig für solcherlei Dinge übrig hatte, nicht entgehen konnte. „Ich grüße euch, werte Dame. Feredir, genannt Großmeister, Verräter an eben jenen und allerlei andere kuriose Dinge. Ich hoffe ich störe nicht, doch eurer Gefährt hier schien es für notwendig zu halten, mich direkt zu euch zu bringen. Ich würde euch unglaublich gern die Hand reichen aber ..“ Er sah auf die festgeschnürten Fesseln, ehe er lächelte.
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Nyaralin
Königin der Elfen
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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Sa Jan 10, 2015 10:21 pm

Seine Worte, der Schalk, der mit jedem davon, in seinen Augen aufblitzte, bekümmerte sie nicht, noch beeindruckte er sie und als sie den sanften Luftzug spürte, den die Männer verursachten, die nach den Waffen griffen, hob sie sanft eine Hand und hielt sie damit von ihrem Angriff ab, während der kurze Anflug eines weichen Lächeln ihre Lippen umspielte und dann wieder verblasste. "Ich weiß, aus welchem Grund ihr hierher kamt, Feredir", erwiderte die Elfe vor ihm seine Worte, wenngleich auch die ihrigen in der Menschensprache fremd und ungewohnt klangen und wissend lagen ihre hellen Augen auf der Gestalt, die vor ihr stand und die noch immer lächelte. Sein Herz war wild und aufgewühlt, ähnlich jenem Element, das er verkörperte, und selbst als er es zu verbergen versuchte, spürte sie noch immer seine Rastlosigkeit und die unzähligen alten Erinnerungen, die sich in ihrem eigenen Geiste wiederspiegelten, als sei sie es gewesen, die sie durchlebt hatte. "Ihr seid hier, um um unsere Hilfe zu bitten", schloss sie mit leiser, ruhiger Stimme und erhob sich langsam von ihrem Platz, das Gesicht in jener undeutbaren Maske haltend, welche bisweilen in keinerlei Hinsicht deutlich gemacht hatte, was sie über sein Vorhaben dachte und so verharrte sie still vor dem jungen Magier, der ihr gegenüber stand und dessen Gesicht ihr so viel mehr sagte, als es seine Stimme jemals vermocht hätte.
Schweigen stand eine Zeit lang zwischen ihnen - Schweigen, welches durch das leise Rauschen des Windes in den hohen Baumkronen und das Singen der Vögel durchbrochen wurde, die erneut ein Zuhause in diesem Wald gefunden hatten. Ein Zuhause, welches nun auch das Volk der Sterne hier wieder gefunden hatte, nun, da ihre Heimat nicht länger bedroht wurde. "Doch kein Wind ist dem günstig, der nicht weiß, wohin er segeln will", erhob sie erneut die Stimme. "Sagt mir, Feredir, Avatar des Windes, wohin wird er Euch führen?"
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Feredir

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Sa Jan 10, 2015 10:29 pm

Schweigend lauschte er ihren Worten, an denen er, ebenso wie an ihren Lippen nach kurzer Zeit hing. Er wollte intervenieren, oder zumindest einen spaßigen oder albernen Zwischeneinwurf machen, doch unterließ er es. Nicht einmal aus Angst, auch wenn sein Geist eigentlich genau davon gerade geprägt sein musste. Doch er war es nicht, weder durch die Soldaten, noch die Hilflosigkeit der Fesseln, die ihn scheinbar nicht nur in der physischen, sondern auch der arkanen Bewegung deutlich einschränkten. „Er trug mich in diesem Augenblick zu euch, werte Herrin. Und wenn es mir das Schicksal, oder besser gesagt eure Gunst erlaubt, so werde ich eines schönen Tages vielleicht dorthin zurückkehren, von wo ich kam.“
Sein Atem wurde ruhiger und eine tiefe, innere Ruhe schien hin zu erfassen, ebenso wie ein angenehmer Schauer der ihm über den Rücken lief und ihn einen Augenblick lang frösteln ließ. Er konnte das was hier vor sich ging nicht benennen, doch er mochte diese Frau. Doch nicht wie eine seiner Mätressen, vielmehr war es eine Demut, eine Art der tiefen Begeisterung. Und er selbst verstand dies keineswegs, denn er hatte sie erst vor wenigen Augenblick das erste Mal gesehen.


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Beriadan

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BeitragThema: Re: Mittelpunkt des Waldes    Sa Jan 10, 2015 10:40 pm

Just in diesem Moment schwang die große Tür zu Nyaralins Gemächern auf und Beriadan stand in der großen Halle. Er war es - Feredir. Oder vielmehr nannte es sich jetzt so. Das, was dort hinter den dunklen Augen in den tiefen der Seele lag war Alagos. Der Sturm selbst, welcher ihm entrissen worden war, vor so vielen Jahren. Noch immer fühlte er der Verlangen seiner Seele nach diesem Teil der Elemente. Noch immer fühlte er sich seltsam hohl und leer.
Wut glomm in seinen Augen auf, unbändiger Zorn, welcher sich nun auf den Großmeister zentrierte, welcher mitschuld an alle dem hier war. Ohne zu Zögern oder ein Wort der Begrüßung zu sagen erhob er die Arme und ein Sturm rauschte durch den Saal, während Beriadan selbst von innen heraus zu leuchten begann. "Bellas ceven, tiro nin! Dringa goth nín!" ein greller, grünlicher Blitz zuckte auf Feredir zu, doch Nyaralin hob nur eine Hand und jenes Gebilde aus Erde und Willen zerbarst.
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