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 Ausläufer des Waldes

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Der Erzähler
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BeitragThema: Ausläufer des Waldes    So Dez 21, 2014 7:57 pm

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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Di Dez 23, 2014 10:13 pm

Wilfried hatte nicht gefragt, hatte keine einzige Sekunde oder auch nur Luft damit verschwendet dem anderen mehr als nötig zuzurufen. Die Elfen waren reichlich überrascht gewesen, als Jonathan mit seiner unnachahmlichen Manier auf sie zugerannt, sie umgeworfen und Wilfried aufgeklaubt hatte.
Wie viel Zeit seit diesem zugegebenermaßen Einzigartigen Rettungsversuch vergangen war, wusste Wilfried nicht zu sagen - das Zeitgefühl zwischen den Bäumen war schwer zu behalten. Sie rannten einfach nur, übersprangen Stock und Stein, kamen dabei mehr als einmal ins Stolpern während die Pfeile der Elfen ihnen nachjagten. Es waren nicht viele Bewaffnete und das mochte ihr Glück sein. Vielleicht lag es auch an der Tatsache, dass es Elfen aus Ekyne waren. Elfen, die im »Gwilwileth-Eryn« aufgewachsen waren, der von den Menschen einfach nur »Elfenwald« genannt wurde. Wären es Elfen aus DuWeldenvarden oder gar aus Alalea gewesen - die Pfeile hätten sie durchbohrt wie Nadelkissen. Doch so waren die Elfen, das einst stolze Volk keine Meister mehr in der Kunst des Bogens und nur dies rettete ihnen das Leben. Wilfried spürte einen Schmerz, der sein Rückgrat durchschoss, durch sein Bein zog und ihm die Tränen in die Augen trieb. Er spürte Blut, das sich in seiner Hose vollsog doch er rannte weiter. Rannte und rannte, wenngleich der Schmerz auch seine Sinne benebelte. Tränen sammelten sich in seinen Augen, machten ihn beinahe blind während er über Wurzeln sprang, Schmetterlinge zertrampelte und Schneisen in den Wald riss, ehe sie an eine kleine Anlegestelle kamen und sprangen.
Jonathan landete in dem kleinen Ruderboot, hielt sich geschickt aufrecht - Wilfried jedoch, dem der Schmerz noch immer durch die Glieder fuhr verpasste den Absprung und krachte in das Boot, dass es schaukelte und spritzte. Mit kräftigen Stößen ließ Jonathan den Waldrand hinter sich und Wilfried, der langsam wieder zu Sinnen kam und dem das Blut nicht mehr zu Kopf stieg betastete voller Verzweiflung seinen Hintern, aus dem ein weiß gefiederter Pfeil ragte.
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Di Dez 23, 2014 10:27 pm

Er stieß sich mit der langen, hölzernen Stake ab und das Boot taumelte einen Augenblick lang hin und her, bedrohlich steil wie er kurz darauf feststellte, doch lag dies an dem hin und her zappelnden Wilfried. Er ging mit der Stake immer wieder ins Wasser um an Geschwindigkeit zu gewinnen, ehe die Strömung sie vollends erfasst hatte und das Boot von alleine den kleinen Fluss hinab fuhr. Einen Augenblick dauerte es noch an, dass hatte er auf den dünnen Planken vollends das Gleichgewicht gefunden und besah sich nun Wilfried etwas genauer. Und bei dem Anblick der sich ihm gerade bot musste er, so absurd und unpassend es in dieser Situation auch war, denn noch immer schwebten sie in höchster Gefahr, lachen. Er lachte lange, laut und hatte letztlich sogar Tränen in den Augen. Möglicherweise war es sogar einfach nur Verzweiflung die aus ihm sprach, doch brauchte er eine ganze Zeit lang, bis er sich wieder beruhigte.
Genauso so lang, bis er bemerkte welche Stelle des Körpers er bei dem Verwundeten versorgen musste. Er schwor sich, das eben gesehene schnell wieder zu vergessen und nie mit irgendjemandem ein Wort darüber auszutauschen, so zu tun als wäre es nie passiert und Wilfried am besten Einreden, es wäre alles nur Einbildung gewesen. Doch würde dies bei dem provisorischen Verband an Kleidungsfetzen, den er ihm um den Unterleib geschnürt hatte, schwer werden. Und so schnell er konnte zog er dem anderen wieder die Hose hoch, ehe er sich selbst im Bott zurücklehnte, den Blick starr in die Richtung, in die sie die Strömung trug. Er wusste nicht wohin ihn und Wilfried das Wasser tragen würde, eines jedoch war ihm klar. Es würde sie weg von den Elfen führen.
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    So Dez 28, 2014 11:33 pm

Der Wald fühlte sich kälter an als in der Stadt, in welcher sie sich zuvor aufgehalten hatten und nicht zum ersten Mal auf dieser Reise fröstelte Guinevere, während sie ihren Blick über die karge Vegetation wandern ließ. Es stimmte sie traurig, die Bäume hier zu sehen und zu erkennen, was Isis getan hatte - wie viel von alledem sie bereits in Brand gesteckt hatte und wie wenig die Elfen hatten retten können. Die elfischen Krieger an ihrer Seite waren mit jedem Meter, die sie sich den Ausläufern des Waldes und damit der menschlichen Grenze näherten, nervöser geworden und all ihre Gespräche waren verstummt - ein paar von ihnen hatten die Waffen gezogen und lauschten immer wieder in die Stille des Waldes hinein, die nur von den Hufschlägen der wenigen Pferde durchbrochen wurde, auf denen sie unterwegs waren. Immer wieder hatte sie Überreste von Kämpfen entdeckt, menschliche Körper, die an Bäumen aufgehängt worden waren, zerbrochene Rüstungen und Waffen im Waldboden und alte Erinnerungen in Form von längst verblasstem Pergament, auf dem verwischte Tinte zu erkennen war.
Sanft glitten Guineveres Finger über den schlanken Hals ihrer weißen Stute, die sie bis hierhin getragen hatte und sacht festigte sie den Griff um die Zügel des elfischen Pferdes, bemühte sich darum, all das Grauen nicht an ihren eigenen Geist herandringen zu lassen, das ihr hier wieder und wieder begegnete. Doch gelingen wollte es ihr nicht, sie spürte die Last dieser Umgebung auf ihren Schultern drücken, spürte, wie die Stimmung hier auch sie drohte einzunehmen und ihre erhobene Haltung zusammen sinken zu lassen. "Das ist es, was Ihr jeden Tag aufs Neue seht, nicht Fiondil?", fragte sie schließlich leise an ihren schweigsamen Begleiter gewandt und schloss die Augen. "Es tut mir leid, was Ihr habt durchstehen müssen."
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    So Dez 28, 2014 11:42 pm

„Es muss euch nicht leid tun meine Herrin, doch ich danke euch für euer Mitgefühl.“ Er neigte, wie scheinbar bei jedem zweiten Satz von Guinevere den Kopf, ehe er seinem eigenen Pferd, einem rappen mit lang hängender Mähne, über den Hals strich und mit der Hand die Bewegungen des Tieres fühlte, als könne er so abschätzen, ob sein tierischer Begleiter Gefahr witterte, wo er selbst keine wahrnehmen konnte. Doch weder hatten die Späher etwas gemeldet, noch seine Männer und so entspannte er sich nachdem er selbst kurz gelauscht hatte, auch wenn eine Hand immer wieder prüfend zu dem Schwert ging um sicherzustellen, dass dieses in griffweite war. „Doch ja, dies ist was ich und meine Männer Tag für Tag sehen. Ich kenne es noch anders, denn vor gut zweihundert Jahren war dies hier eine blühende Landschaft. Kein Gemälde aus alten, knorrigen Ästen und schwarzem Moos. Und vor noch längerer Zeit gingen waren die Ausläufer des Waldes gut eine Meile länger. Doch diesen Boden haben wir inzwischen an die Menschen verloren.“
Die Pferde fanden dank des geringen Tempos einen sicheren Weg durch die bewaldete Einöde, in der nicht etwa wie in der Hauptstadt immer und immer wieder der Gesang von Vögeln zu hören war. Dann und wann hörte man den Ruf einer Eule oder eines Bussards, mehr jedoch war in dieser Einsamkeit nicht zu finden. Die restlichen Soldaten, die zu Fuß folgten hatten ihre Bögen bereits in den Händen, die Pfeile jedoch ruhten noch in den ledernen Köchern, die, wenn man die Ressourcenlage genau betrachtete, noch in gutem Zustand waren.
„Wenn es mir gestattet ist etwas zu fragen, was denkt ihr über unseren Kampf? Ihr seht die Opfer und sprecht mit Jemanden der sieht wie sich diese tagtäglich vervielfältigen, daher liegt dieser Gedanke sicherlich nahe.“
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    So Dez 28, 2014 11:51 pm

"Ich kenne die Ansichten dieses Kampfes beider Völker und ich gebe zu, dass einst auch ich den Lügen der Großmeister Glauben schenkte, die das Volk der Elfen als grausam und blutdürstig bezeichneten, doch nun bin ich selbst hier und sehe all das Leid, das dieser Kampf bringt. Die Menschen sind Schuld an alledem, ihre Gier und ihr unerschütterlicher Wille mehr und mehr Macht zu erhalten, selbst jetzt, wo sie wissen, dass sie uns beinahe ausgelöscht haben. Sie werden nicht aufhören, nicht solange auch nur ein einziger Elf am Leben ist und ich beginne mich zu fragen, ob es nicht für unser Volk besser wäre, wir würden uns aus Ekyne zurückziehen", antwortete sie auf die Frage des Älteren und schenkte ihm ein wehmütiges Lächeln, welches ihren Worten folgte und von dem Kummer sprach, den sie ob der grauenhaften Geschichte ihres eigenen Volkes empfand. Sie war nun Teil dieser Kultur und dennoch vermochte sie es nicht, diese Kämpfe zu beenden, vermochte es nicht, die Menschen dazu zu bringen, damit aufzuhören und den Elfen wieder ihren Wald zu lassen, wo sie doch sonst nirgends mehr hin konnten. Einmal mehr begann sie sich zu fragen, warum es diesen Streit gegeben hatte - weil ein einzelner Elf sich in eine menschliche Frau verliebt hatte, deswegen war der Angriff gefolgt und jener Streit wurde nun bereits seit 600 Jahren fortgeführt, doch das, was daraus resultierte war nicht mehr als Leid und Schmerz, Hass und Wut.
"Überlassen wir den Staubgeborenen und ihrem Hass diesen Ort. Es mag andere Reiche geben, in denen wir eine Heimat finden können, doch hier verlieren wir nur noch mehr unseres Volkes. Es ist genug - die Elfen haben genug unter ihnen gelitten, was immer wir getan haben, diese Schuld haben wir mit dem Blut unserer Familien längst bezahlt."
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Mo Dez 29, 2014 12:04 am

„Wahrere Worte hörten ich in diesen Wäldern selten Herrin.“ Ein kurzes Lächeln huschte über das Gesicht des Elfen, dessen Mimik sonst wie versteinert wirkte. Doch binnen Sekunden verschwand dieses wieder und stattdessen konnte man wieder den kühlen, ruhigen Blick sehen, mit dem man ihn fast immer antreffen konnte. „Ich habe über meine Zeit in der ich hier diente viele Tote gesehen, aber eins hatten alle gemeinsam. Sie starben in der Hoffnung das wir diesen Wald, dieses kleine Stück Erde das schon unsere Ahnen ihr Eigen nannten bis zum letzten Mann verteidigen. Nun jedoch zu sagen das wir eben dies aufgeben um an einem anderen Ort das Glück zu finden ..“ Er sog die Luft ein und hielt diese einen Augenblick an.
„Die Veteranen, von denen es immer und immer weniger gibt würden euch in diesem Unterfangen zustimmen. Die jungen Krieger jedoch, die begierig darauf sind sich zu beweisen würden es für Verrat halten, für Verrat an dem Vermächtnis unserer Vorfahren. Letztlich sind jedoch beide Meinungen unnütz, denn die Entscheidung würde bei unserem Herrn liegen. Und wenn ich euch vorwarnen darf meine Herrin, ich sprach selbst mehrere Male mit dem Fürst darüber uns eine andere Heimat zu suchen. Einige dieser Narben erinnern mich bis heute an den Verlauf dieses Gesprächs.“
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Mo Dez 29, 2014 12:11 am

"Er verletzte Euch allein deswegen, Fiondil?", hinterfragte Guinevere erschrocken und wandte den Blick zu ihrem Begleiter hinüber, als wolle sie ergründen, ob er ihr soeben die Wahrheit gesagt hatte. Beriadan war ihr niemals so vorgekommen, als wäre er unnötig grausam gewesen, stets hatte sie seinen Zorn und seine Abscheu den Menschen gegenüber verstanden und nachvollziehen können, doch nun zu erfahren, was er seinem eigenen Volk wegen eines solchen Vorschlags angetan hatte, erschütterte ihren Geist einmal mehr. Er war stets sanft und weich zu ihr gewesen, hatte sich so viel Zeit genommen, um ihr sein Volk näher zu bringen, ihre Sprache zu lernen und sie in den Regeln der fremden Gesellschaft einzubringen, aber er war nie laut oder hart zu ihr gewesen - er hätte ihr niemals etwas getan, das wusste sie. "Es ... das ist nicht richtig. Das hättet Ihr nicht durchleiden müssen, nicht, wo Euer Denken doch einzig und allein unserem Volk dient und Ihr nur um dessen Sicherheit besorgt seid", ergriff sie erneut das Wort und schüttelte den Kopf, versuchte all die Bilder aus den Gedanken zu fegen, die sich in ihr aufgetan hatten und die sie nun nicht mehr so einfach zu vertreiben vermochte.
"Ich werde noch einmal mit ihm darüber sprechen. Er wird mich nicht verletzen und Euer Leben wird dadurch nicht in Gefahr sein. Vielleicht vermag ich es, ihn davon zu überzeugen, dass dies der bessere Weg für unser Volk ist, bevor noch mehr junge Lichter erlöschen", überlegte sie und ließ ein weiches Lächeln folgen, in der Hoffnung, es würde den älteren Elfen an ihrer Seite überzeugen, wieder neue Hoffnung zu schöpfen.
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Mo Dez 29, 2014 12:28 am

„Ich danke euch dafür, meine Herrin. Ich will euch keine allzu große Chancen ausmalen, allein um den Fall des Misserfolges so gut wie möglich abzufangen, doch zeigt es euren Mut.“ Ihre Pferde trabten vorbei an alten Bruchstücken von Rüstungen verschiedener Bauarten. Menschliche, wie auch elfische und teilweise sogar Bruchstücke von Pferderüstungen, denn vor gut einhundert Jahren hatten die Menschen einen Großangriff eingeleitet, an dessen Spitze Panzerreiter gekämpft hatten und wegen der ein fast ein Auge verloren hätte.
„Und vielleicht war es notwendig dass ich dies durchlitt, denn es zeigte mir damals meine Grenzen auf. Herr Beriadan war erbost darüber das ich mir mehr Kompetenzen zumute, als mir meinem Stand nach zustehen und er hatte wie ich euch feststellen muss recht. Ich kannte wenig von dem großen Geschehen der Welt und selbst heute weiß ich nicht, ob es überhaupt ein Land gibt in das wir reisen können. Daher war die Notwendigkeit etwas, aus dem ich lernen konnte. So wie wir mit den Jahren gelernt haben, mit den Angriffen der Menschen umzugehen.“
Langsam kamen sie an die Lichtung des Waldes und in ein paar Metern Entfernung, konnte man das grelle, ungefilterte Licht der Sonne erblicken. „Die Männer die hier dienen und ihre Familien nur von Zeit zu Zeit sehen, haben ein Sprichwort für die dunklen Stunden, in denen sie auf das Auftauchen von feindlichen Silhouetten warten. Ónen i-Estel Edain. Ú-chebin Estel anim.“ Zitierte er den alten Dialekt und strich seinem Reittier erneut über den Hals. „Eine Erinnerung daran, dass wir diejenigen sind die anderen das Leben ermöglichen. Und daran, welche Ehre dies ist.“
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Mo Dez 29, 2014 12:42 am

"Boe ammen i dulu lîn á veriad lîn", lautete die Antwort, welche Guinevere dem älteren Elfen zur Antwort gab und dem sie eine sanfte Verneigung folgen ließ, bevor sie die Lichtung erreichten und sie eine Hand zu den Augen hob, um eben jene vor dem grellen Licht der Sonne abzuschirmen. Dies hier war einer jener Standorte, die zuerst fallen würden, wenn Yarna sich entscheiden würde einzugreifen und keine Magie dieser Welt würde sie davon abhalten, wenn sie erst die Entscheidung getroffen hatte, das wusste sie, doch fürs Erste hoffte sie darauf, dass die Großmeisterin des Lichts mit der Verwaltung des Landes mehr zu tun hatte, als mit ihren Racheplänen gegenüber den Elfen. Noch einmal striff ihr Blick ihren Begleiter und sie lächelte still in sich hinein, als sie beobachtete, wie er von den wenigen Elfen hier begrüßt wurde, deren Stützpunkt sie hier passierten.
Sie brauchten in der Tat seinen Schutz, brauchten seine Unterstützung in diesem Kampf, den die Elfen nun bereits seit 600 Jahren ausfochten und in dem sie immer weniger Möglichkeiten erhielten, selbst etwas zu unternehmen, um die verlorenen Gebiete zurück zu erhalten. Sie schätzten ihn hier, wussten, um seine Hilfe und seine Loyalität seinem Volk gegenüber und vermutlich war es eben dieser Grund, aus dem Guinevere sich dazu entschieden hatte, nichts mehr zu seiner Antwort verlauten zu lassen. Ihr Vater wusste, was er an Fiondil hatte, wusste um seine Treue und um seine Opferbereitschaft und sie wollte die Kluft zwischen ihnen beiden nicht durch ein unbedachtes Wort ihrerseits aufreißen und damit Zweifel und Misstrauen säen, wie es die Menschen bereits so oft getan hatten, selbst wenn sie selbst nur eine Peredhil war.
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Mo Dez 29, 2014 1:21 am

Als die Lichtung des Waldes immer und immer näher kam, musste er einen Augenblick lang die Augen zusammenkneifen, denn das Licht das nicht durch die dichten Baumwipfel fiel, wirkte grell, klinisch und stechend. Doch es war ein Gefühl dass er gewohnt war und von dem er wusste, dass es binnen weniger Minuten vergehen würde. Und als es soweit war, stieg er langsam von seinem Pferd ab, reichte die Zügel einem seiner Männer und lief daraufhin neben Guinevere her, legte ihrem Tier seine Hand auf den Hals und bedeute sie mit einer Kopfbewegung, ihm zu folgen.
Der Wald lag nicht weit hinter ihnen, vielleicht einhundert oder zweihundert Meter und noch immer hob sich das dichte Gras des Waldes stark von dem, gut einem Kilometer später aufkommendem, trocken Gras ab, doch an Bäumen mangelte es. Nur ein paar vereinzelte Steine waren zu erkennen. „Ich möchte euch gern etwas zeigen, wenn ihr es mir erlaubt, Herrin.“ Er reichte ihr die Hand, half ihr aus dem Sattel und ging dann mit ihr zu einem Stein, der in der Höhe und in der Breite gut einen Meter Maß. Davor ein Feld kleiner Blumen, jede einzigartig und von unterschiedlicher Farbnuance. „Die Familie des Verstorbenen gibt uns, wenn wir ihnen die schlechte Kunde überbringen stets ein Samenkorn mit. Den Samen der Blume, die für ihren Verstorbenen stehen soll.“ Die kleinen Blumen, von gelber, grüner, roter, violetter und aller möglicher anderen Farben Färbung, wogten sich im Wind, schienen jedoch im Schutz des großen Steines prachtvoll erblüht zu sein. „Und mit der Blume welkt auch der Schmerz über den Verlust, so zumindest ist der Gedanken dahinter. Und auch wenn es vielleicht nicht genauso ist, so ist es doch ein Trost, etwas zu haben, dass einen an ehemaligen Freunde erinnert.“ Er schmunzelte einen Augenblick lang, legte dann seine Hand in eine Tasche und griff kurz darauf sacht nach den zarten Händen von Guinevere, in welchen sich kurze Zeit später, ein einzelner Samen wiederfand. „Würdet ihr ihm die Ehre erweisen?“
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Mo Dez 29, 2014 11:10 pm

Grell drang das helle Sonnenlicht auf die Lichtung, erhellte ihre schmale Gestalt und ließ sie immer wieder schaudern, wenn sie unweit entfernt die weiten Felder der Grafschaft erkannte, die einstmals ihrem eigenen Patenonkel gehört hatte und die Yarna inzwischen an Isis weiter gegeben hatte, damit die Großmeisterin des Feuers eben diese verwaltete. Sie würde sie in ein brennendes Inferno verwandeln, in dem diese Blumen hier, vor denen sie stand, nicht mehr allzu lang stehen bleiben würden und im Stillen trauerte Guinevere um die grausame Bedeutung eben jener wunderschöner Blumen. "Ihr solltet Bäume für sie pflanzen ... für unser Volk und damit sie niemals vergessen werden", flüsterte sie schließlich mit einem wehmütigen Lächeln auf den Lippen ehe sie in die Hocke glitt und ein wenig Erde zur Seite schob ehe sie das Samenkorn in den feuchten Boden legte. Sie waren so nah an den menschlichen Dörfern, dass sie ab und an glaubte, sie könne die Stimmen der Bauern an ihre eigenen Ohren dringen hören und immer wieder schauderte sie, wenn sie sich vorzustellen versuchte, was geschehen würde, wenn sie hier auffielen. Es waren nur ein paar wenige Schritte, dann hatten sie den Wald verlassen und würden nicht mehr von dem dichten Gebüsch und den starken Schutzzaubern beschützt werden. Dann würden sie nicht viel mehr als Gejagte sein.
"Mára mesta", flüsterte sie dem kleinen Samenkorn und der damit verbundenen Seele leise zu und schloss die Augen, um jenem Wesen, das hier sein Ende gefunden hatte, eine gute Reise zu wünschen, in der Hoffnung, es würde ihn in die Hallen der elfischen Götter bringen. Dort, wo er verharren würde bis seine Zeit gekommen war und sein Weg von Neuem beginnen würde. "Tenna enta lúmë", wisperte sie noch, als sie begann die frische Erde wieder über das Samenkorn zu streuen und eben jenes damit zu bedecken.
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Mo Dez 29, 2014 11:21 pm

Einen Augenblick, einen langen Augenblick lang herrschte absolute Stille. Wind und der umliegende Wald schienen sich in eben jene einzustimmen, denn die Eulen und Greifvögel verstummten, allein das leise Rauschen der Blätter die aneinander schlugen war noch, als leiser, ruhiger Unterton wahrzunehmen. „Eine Blume kann dort Leben, wo ein Baum gefällt wird. Denn wo der eine gewillt ist einen Baum zu fällen, wird er ihn schneller finden als derjenige, der gewillt ist Blumen auszureißen. Stets in Gefahr, am durch den Schutz seiner geringen Größe vor dem Jäger besser getarnt. Und ebenso leben wir, auf dass unser Volk weiterleben wird. Koste es, was es wolle.“
Die anderen Krieger hatten sich stillschweigend um die kleine Ansammlung an Blumen gestellt, die von dem großen Stein vor der Außenwelt die vor ihnen lag geschützt wurde. Jeder von ihnen wiederholte die Worte, griff mit der Hand nach der frischen Erde, fühlte zwischen Zeige und Ringfingerkuppe etwas davon auf, und entfernten sich dann ein Stück weit. „Seid so gut Herrin, und berichtet unserem Fürst nicht hiervon. Nicht hiervon und nicht darüber, dass die Toten so bei uns bedacht werden. Er wird es nicht verstehen, nicht verstehen, was jeder hier von uns verstanden hat.“ Er sah in die Runde der Männer, die größtenteils aus gegerbten Gesichtern bestand. Und ein jeder neigte, zur Zustimmung den Kopf.
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Mo Dez 29, 2014 11:30 pm

Es gab kein Geräusch, welches das kommende Szenario hätte Ankündigen können. Keine Warnung, keine Feinde am Horizont. Nur das Bersten von Kettengliedern und der Schrei eines Elfenkrieges.
Der Soldat zu Guineveres Linken fiel schreiend von seinem Rappen, ruderte noch kurz mit den Armen, ehe er nach hinten stürzte. Das Pferd wieherte voller Aufregung, stellte sich auf die Hinterbeine und schlug aus, traf einen anderen Elfen am Kopf und stieß auch diesen aus dem Sattel.
Dann brach die Hölle los. Zwei dutzend schreiender Männer in voller Kampfmontur kamen über den kleinen Hügel gerannt, welcher das Blumental umgrenzte. Sie hatten kein wirkliches Wappen was sie bei sich trugen, nicht mehr als ein durcheinander an Standarten mit unterschiedlichen Symbolen. Es waren Söldner, Bauern die ihr Vieh durch Elfenhand verloren hatten. Menschen, die glaubten sich aus irgend einem Grund an den Elfen rächen zu müssen und welche die Elfen schon mehrfach dabei beobachtet hatten, wie sie Blumen an diesem Ort pflanzten. Und nun war ihre Zeit gekommen. "Schlagt sie! Beißt sie! Reißt sie von ihrem Pferd herunter! Wer die meisten Elfen tötet darf sich an dem Elfenweib vergehen!"
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Mo Dez 29, 2014 11:43 pm

Er erschrak, zuckte zusammen und blickte sich hektisch um. Zwei seiner Männer, deren Blut nun in den moosbewachsenen Boden glitt, während die restlichen bereits die Bögen spannten. „Duckt euch Herrin, herunter! Ihr restlichen, zurück in den Wald!“ Während auf die reitenden Pfeile niedergingen, rannte Fiondil mit Guinevere in den Schützenden Wald, drückte sie, als sie sich hinter der ersten großen, toten Eiche befanden an den Stamm eben dieser und sah sie eindringlich an. „Ihr bleibt hier, versprecht mir das. Der Wald schützt euch. Und wenn wir nicht zurückkehren sollten, dann lauf soweit in den Norden wie ihr könnt. Einer meiner Männer wird euch finden.“ Noch ehe er eine Antwort bekam, wandte er sich um, griff nach seiner Klinge und sah, dass ein weiterer Krieger den Hufen der Pferde zum Opfer gefallen war. Die Reiter agierten nicht dumm, nutzten die Schnelligkeit und die Stärke heransausender Pferde zu ihrem Vorteil und machten immer wieder kürze Bögen.
Er konnte keine starke Magie wirken, hatte dafür weder die Kraft noch die Ausbildung, denn die wenigen Magiekundigen die es hier gab, bewahrten ihr Wissen stillschweigend. Wohl konnte er aber in den Geist von Tieren eindringen, und eben dies tat er. Er zeigte den Pferden Auszüge seiner eigenen Erlebnisse, der Schreckensgeschehnisse und binnen weniger Sekunden scheuten die Tiere auf und die Reiter, in ihrem Ansturm vollkommen überrascht, kippten von den Rücken ihrer Reittiere. Die Elfen schossen indes weiter, trafen die nun am Boden liegenden Ziele mit Leichtigkeit und die Pferde machten sich mit schnellem Galopp auf in Richtung des Waldes. Der natürlichste Schutz für Tiere in dem näheren Umkreis.
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Mo Dez 29, 2014 11:54 pm

Qualvolle Schreie drangen von den fünf Söldnern, welche geglaubt hatten zu Pferde würden ihre Chancen besser stehen. Die Tiere schrien beinahe wie Menschen, während sie ineinander rannten, ihre Hälser vor Panik verdrehten und mit den Augen rollten, dass das Weiße zu sehen war. Die Reiter taumelten, stürzten und krachten übereinander, rissen noch einen armen Bauern mit, welcher unter einem der kräftigen Pferdeleiber begraben wurde.
Die restlichen, noch achtzehn an der Zahl, welche nicht verwundert oder aufgehalten worden waren Pflügten nunmehr über das Blumenfeld, rissen so die Blüten von den Blättern, zertrampelten die Stiele und hinterließen nichts als umgepflügtes Gras. Sie brachen durch die Bäume, wurden von einzelnen Pfeilen getroffen aber nur all zu schnell ertönte ein Horn, wie aus weiter Ferne und weitere Truppen nährten sich, rannten auf den Wald zu - mit Fackeln in der Hand. "Königsmörder" schrien sie, "Elfenpack" und "Klingenohren!"
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Di Dez 30, 2014 12:13 am

Die Männer wurden, Schritt für Schritt dezimiert und durch den Schutz des Waldes war es seinen restlichen Männern möglich, sich zu verstecken. Es gab nur ein paar einzelne, leise Laute die man als Gurgeln wahrnehmen konnte. Fiondil selbst wählte eine brachiale Art, nutzte sein Schwert und rief die Feinde sogar zu sich, um sie von der versteckten Guinevere wegzulocken. Gut drei Minuten später stand er neben ihr, blutverschmiert und mit einer kleinen Schnittwunde im Gesicht, sowie einer Stichwunde an der Seite. Es waren drei kleine Einstichstellen, ohne Zweifel das Werk eines bäuerlichen Werkzeugs, das sich jedoch erstaunlich gut als Waffe für den Anwender gemacht hatte. „Ihr müsst fliehen meine Herrin.“ Er sah sie aus strengem Blick an, hielt sich an dem Baum fest hinter dem er sie versteckt hatte und rief die restlichen Männer zu sich. Es waren inzwischen nur noch sechs, allesamt mit einem Gesichtsausdruck, der den Schrecken ebenso wie den Ernst der Lage spiegelte.
„Sie werden mit euch gehen. Ich werde die restlichen Truppen in den umliegenden Meilen versammeln und euch in der Hauptstadt aufsuchen, sobald es mir möglich ist.“ Die Rufe kamen immer näher und das vibrieren der schweren Schritte war bereits im Waldboden zu spüren. „Schaut nicht zurück.“ Mit diesen Worten machte sich die kleine Prozession an Männern, mit der Prinzessin in der Mitte auf, während Fiondil selbst in Richtung der Feinde lief und seine Gedanken erneut aussandte um in Erfahrung zu bringen, wann die restlichen Truppen eintreffen würden. Er konnte nicht einhundert Mann hierher ziehen, denn würde er dies tun, wäre jeder andere Teil des Waldes unbewacht. Fünfunddreißig Mann, mehr konnte er in dieser schnelle nicht mobilisieren, ohne den ganzen Wald angreifbar zu machen.
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Di Dez 30, 2014 1:04 am


Schwere, metallen klirrende Schritte hallten über den Hügel, von einem Angst einflößenden Hämmern begleitet. Dann tauchten sie an der Hügelkuppe auf; Soldaten in unregelmäßig schwarz und rot gefärbten Rüstungen, bewaffnet mit Schwertern, Lanzen, Schilden und Bögen. Wie durch einen stummen Befehl blieben die etwa einhundert Soldaten knapp hinter der Kuppe stehen und besahen sich das Schauspiel der Bauern und Söldner, die gegen den Wald anliefen. Hinter den Truppen auf einem großen schwarzen Schlachtross saß ein Mann in einer schwarzen Rüstung und aus dem Dornen besetzten Helm blickten glühende Augen auf die sterbenden Elfen. Der blutrote Umhang wehte kalten Herbstwind, während seine Hand an das rote Amulett um seinen Hals glitt. Ein leichtes Glimmen, wie das Glühen eines ersterbenden Feuers ging davon aus, ehe sich in seinem Kopf eine Stimme erhob: Dräng sie zurück! Sie sollen es nicht noch einmal wagen, soweit aus ihrem Wald heraus zu kommen!
Die Hand des Reiters glitt an sein Schwert, dass er in einer drohend langsamen Geste aus der Scheide zog. Er stieß es empor und als es Funken schlagend in Flammen aufging, gingen die Soldaten in den Angriff über, die Lanzenträger als Vorhut, dahinter die Schwertkämpfer, während die Bogenschützen einen Pfeilhagel auf die Lichtung nieder gehen ließ. Der namenlose Reiter Trieb sein Pferd vorerst langsam in das Geschehen, stehts bereit einzugreifen.


Zuletzt von Isis am Di Dez 30, 2014 8:03 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Di Dez 30, 2014 1:21 am

Als er nicht nur den wütenden Mob der vierzig Mann, sondern noch das Schreckensbild der gerüsteten Männer erblickte, stockte ihm der Atem und erst der auf den Wald zukommende Pfeilregen zwang ihn dazu, hinter einem der Bäume Deckung zu nehmen. Er dachte Fieberhaft darüber nach wie er jetzt verfahren sollten, was zu tun war. Sie würden den Wald niederbrennen, keine Frage. Also mussten sie sie hinein locken. Noch lag der Zauber auf diesem Wald, was ein Einfaches verbrennen verhinderte und so müssten sie in den Wald hinein laufen um wirklichen Schaden anrichten zu können. Und so tot das vorderste Stück des Waldes auch sein mochte, so bot es doch noch immer genug Möglichkeiten Deckung zu suchen und aus dem geheimen heraus zu agieren.
Er sandte seinen Männern eine Botschaft. Sie sollten sich zurückhalten, rund um die aufkommen Armee verteilen und ihnen immer wieder vereinzelt Männer durch plötzlichen Beschuss nehmen. Es würde dauern und sie würden ein ganzes Stück vordringen, doch zum einen griff dies ihre Moral an, zum anderen konnten sie auf Hilfe von der Hauptstadt warten. Doch auf eine große Hilfe konnte er nicht hoffen, denn jeder Krieger hatte dieser Tage einen festen Platz. Und das verlassen von eben diesem konnte an anderer Stelle eine genauso große Tragödie lostreten.
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Di Dez 30, 2014 8:47 pm


Der Namenlose Reiter sah wie die Elfen sich von den Bauern zurückdrängen ließen, während seine Truppen weiter auf den Wald zu marschierten. Unter den Hufen des gewaltigen schwarzen Pferdes verkohlte das, ohnehin von wiederkehrenden Angriffen gepeinigte, Gras. Ruhig und drohend näherte er sich mit seinem entflammten Zweihänder dem Waldrand, seine glühenden Augen suchten das Gebiet ab, sondierten die Lage und er erdachte eine Taktik. Ein unbestimmter, nicht menschlicher Laut entrag sich seiner Kehle und trotz seiner ungewöhnlichen Art, mochte jeder den Befehl darin heraushören, der über die Ebene fegte, wie die Druckwelle einer Explosion. Die Soldaten blieben stehen, stoppten sofort ihren Angriff und sammelten sich erneut. Sie standen in Reih und Glied, erwartungsvoll auf ihre Befehle wartend, doch bedauerlicher Weise die Waffen noch nicht von Blut benetzt.
Der Reiter wusste, dass die Elfen sich in ihren schützenden Wald zurückziehen würden und ihre Unterlegenheit durch Tarnung und Hinterhalt auszugleichen versuchen würden. Die Bauern, ihre Fackeln wild schwenkend drangen immer tiefer in das Dickicht ein. "Ihr werdet eine breit gefächerte Linie bilden! Lasst diese niederträchtigen Spitzohren euch nicht umzingeln!", verkündete er mit einer rauchig, dröhnenden Bassstimme, während aus dem Wald gequälte Schreie drangen, die von den gemeuchelten Bauern kündeten. Keiner der Soldaten wagte es vor ihrem Kommandanten auch nur mit der Wimper zu zucken. "Achtet auf die Bäume, lasst die Schilde oben und die Schützen schießen auf alles was sich bewegt und decken jeden Winkel mit einem Pfeilhagel ein, aus dem ein Pfeil auf euch nieder geht!", vollendete der Reiter seine Strategie. Ihm waren die Leben dieser Männer egal, doch er wusste je mehr er hatte, umso mehr Elfen würden den Boden mit ihrem Blut tränken.
Die Männer bezogen Stellung, staffelten sich vor dem Waldrand; Lanzenträger zu vorderst, dann die Schwertkämpfer und als Nachhut die Schützen. Als der Reiter erneut seine Klinge empor stieß, marschierten die Soldaten los, während er erneut ruhig hinter ihnen herkam. Er musste näher heran, doch er würde nicht besonders weit in das Verfluchte Dickicht vordringen, seine Aufgabe konnte er aus einer einigermaßen sicheren Entfernung erfüllen.

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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Di Dez 30, 2014 10:48 pm

Sie spannten den Bogen wie sie es gelernt hatten. Den Arm ausdrehen, das Ziel ins Auge nehmen. Ab fünfzig Fuß eine halbe Wimper höher zielen, ausatmen. Den Arm durchdrücken und die Sehen loslassen. Nicht schauen ob der Pfeil getroffen hat, er muss treffen, direkt den nächsten Pfeil in die Sehen einlegen. Das Handgelenk schmerzt, denn der abgetragene Armschutz bietet nur noch mäßigen Schutz und unter der gegerbten Tierhaut kann man zahlreiche blaue Druckstellen erkennen. Der erste Pfeil trifft, der zweite ebenfalls. Der dritte nur noch teilweise, das Ziel wird nur in der Schulter verletzt. Vermutlich wird er aufgrund des mangelnden Transports des Sauerstoffs sterben. Eine Schulterverletzung kann schnell tödlich enden, besonders mit dieser Art von Pfeilspitzen. Sie sind mit wiederhaken besetzt, Splittern und reißen die Wunde auf, ebenso der Schaft, in welchem kleine, poröse Kupferteile verbaut sind. Es ist ein anderes Fluggefühl für den Pfeil, doch man gewöhnt sich schnell daran. Doch der vierte Pfeil, trifft nicht.
„Rückzug! Zieht euch zurück!“ Rief er in seiner Heimatsprache, blickte um sich und stellte erleichtert fest, dass die Bauern die sich in ihren Wald gewagt hatten, inzwischen Tod am Boden lagen. Doch eben diese, sowie die Pfeilsalven der Feinde hatten weitere sechs Männer gefordert. Er musste zurück, Bericht erstatten und einen Gegenangriff planen. Nein, er musste die Flucht planen, für sich und sein Volk. Doch was man ihm befehlen würde, wäre etwas anderes als das, was er tun musste. Einer der Pfeile traf ihn in die Seite. In die Schulter und durch eben diese Wunde fühlte er sich einen Augenblick lang fast mit dem Bauernvolk verbunden, dass dort Tod auf dem Boden lag und das binnen weniger Wochen den Insekten die hier hausten zum Opfer fallen würde. Er lief, die Männer vor sich, doch nur die wenigsten konnte er sehen. Jeder andere bestätigte durch ein kurzes Bild seines Geistes den Rückzug. Nicht nur er, auch zehn andere waren Verletzt. Fünf davon würden bis zur Stadt überleben, wenn sie Glück hatten.
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Di Dez 30, 2014 11:02 pm

Als die Flucht der Elfen begann, schwollen auch die Jubelrufe der einzelnen Soldaten an, die sich bisweilen noch außerhalb des Waldes gehalten hatten, im sicheren Schutz ihrer eigenen Schilde und der vollkommenen Überlegenheit der Rüstungen, die sie am Leib trugen. Rote Flammen leckten an den verdorrten Bäumen, schwarzes Gras bog sich in dem kühlen Herbstwind, auf dem der schwarze Ritter der Großmeisterin des Feuers getreten war und das flammende Schwert empor gereckt hielt, auf dass ein jeder das Feuer seiner eigenen Herrin sehen konnte. Eben jenes Feuer fraß sich seinen Weg unaufhörlich durch den einstmals noch grünen Wald, verbrannte Pflanzen und Tier und ließ nichts mehr übrig als verkohlte Leiber zwischen schwarzen Aschehäufchen - es war eben jenem Feuer gänzlich gleichgültig, wen es vernichtete, ob Mensch oder Elf und der schwarze Ritter beobachtete den Weg seines eigenen Elements mit wachsamen dunklen Augen, welche verborgen hinter einem hohen brüniertem Vollhelm lagen, die sein finsteres Gesicht verbargen. "Lasst sie nicht entkommen", raunte er mit geschwärzter Stimme und ließ abermals jenen tief dunklen Bariton seinen Weg zu den Soldaten finden, die er befehligte und wie aus einer einzigen Bewegung setzten sich die Männer in Bewegung. Schritt folgte Schritt und der Boden begann unter ihren Plattenstiefeln zu beben als sie nach vorn schritten, die Schilde vor dem Körper, um sich vor den letzten Pfeilen der Flüchtenden zu schützen.
Auf einem Hügel in dem Licht der entgegen scheinenden Sonne indes hatte sich die groß gewachsene, breite Gestalt eines zweiten schwarzen Ritters aufgebaut, der auf den verfaulten Überresten eines schwarzen, gerüsteten Rappen saß und den gesichtslosen Kopf zu dem Wald gerichtet hatte. Eine lange Lanze mit schwarzem, zerschlissenen Banner ruhte in seinem gerüsteten Handschuh und wehte in dem kalten Wind. Ein einziges dunkles Wort hallte über das Land, fraß sich in Form von Nebel durch das Land, ließ Gras und Baum verdorren, die eben jener Nebel striff und nahm ebenso zwei der gerüsteten Männer mit sich auf, die nicht schnell genug dabei waren, zur Seite zu gehen. Von ihnen blieb nichts mehr übrig außer abgenagte, poröse Knochen, die alsbald von dem kalten Wind in Asche aufgelöst wurden, die eine dichte, schwarze Wand vor den Elfen bildete.
"Bringt mir den Kopf des Anführers"

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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Di Dez 30, 2014 11:39 pm

Der dichte Nebel schlang sich immer näher um sie und die schweren Schritte der Soldaten hallten immer lauter, ließen die Erde erbeben. Ein kleines Blatt, von einer der letzten Eichen die hier noch Blätter getragen hatte lag vor ihm. Darauf eine kleine Ansammlung an Tau. Es mochte vielleicht zehn Schritt von ihm entfernt sein. Die symmetrischen Kreise, die sich in eben jenem gesammelten Tauwasser immer und immer schneller erneut auftauchten, kündeten ebenfalls von dem herannahenden Übel. Doch noch bevor die wilde Kakophonie ein jähes Ende mit dem strammstehen der Soldaten sein Ende gefunden hatte, verging das Blatt als der Nebel über ihn wanderte. Es ergraute, krümmte sich abartig und der klare Tau wurde zu einer milchigen, Dickflüssigen Masse. Mehr konnte Fiondil nicht erkennen.
„Eine Teufelei folgt der nächsten! Schänder, Diebe des Wissens! Dämonen die zu Fleisch geworden sind, das jedoch durch eure Gier und euren Hass verdarb!“ Die Flüche glitten nur fahrig über seine Lippen, die nicht bebten, sondern mehr zitterten. Sein Schwert, das von Blut und Dreck gleichermaßen bedeckt war, wies weitere Scharten auf und jedes geübte Auge, auch das des Schmiedes Jonathan hätte sagen können, dass es nur noch wenige Schläge bis zum Bruch waren. Nur noch wenige Schläge bis zum Bruch all dessen, was ihn vor seinen Feinden so lange bewahrt, was ihn geschützt hatte und auf das er vertraut hatte.
In seiner Not griff er nach der Erde des Waldes. Keine Fingerspitze, sondern eine Handvoll. Keine Magie die er bewirken konnte, könnte ihnen jetzt noch helfen. Doch er hatte von Geschichten gehört, in denen eben dieser Wald seinen Beschützern einen plötzliche Gunst zu Teil werden ließe. Und im Stillen hoffte er, dass alle Ammenmärchen die er so lange verteufelt hatte, wahr waren. Dass sie wahr waren und ihm Geister die schon fast in Vergessenheit geraten waren ihm zur Hilfe eilen würden. „Ich werde erst ruhen, wenn ich Tod am Boden liege, Dämon! Und da ich offenbar noch recht gut stehen kann, werde ich kämpfen.“
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Mi Dez 31, 2014 12:10 am

Fiondils leises Gebet, gesprochen in Verzweiflung und Todesangst - seine Hoffnung welche er dem Land und dem alten Glauben der Elfen selbst anvertraut hatte schien mit einem mal wahr zu werden. Ein sphärischer Klang lag in der Luft, ein Flüstern aus ferner Vergangenheit und der Nebel teilte sich, zerfaserte und trieb davon wie in einem plötzlichen Wind. Der Wald selbst schien zu neuem Leben zu erwachen. Ein glühendes, fremdartiges Leuchten durchfuhr ihn und jeder Ast schien zu ächzen, als sie neue Blätter trieben. Die ersten Männer, welche den Wald betreten hatten schrien auf, als mächtige Wurzeln sie packten und unter die Erde rissen.
Und dort, durch die Reste des Nebels, welche an ihm abzuperlen schienen trat Beriadan. Der Fürst der Elfen trug die Rüstung aus alten Tagen, welche ihn größer erscheinen ließ als es sonst der Fall war, gerade so als wäre mehr Stolz in ihn gefahren als es zuvor der Fall gewesen war. Die flache Klinge, welche wie die Verlängerung seines Armes in der Hand lag schimmerte in dem bläulichen Licht und offenbarte in ihrer Schönheit ihre Herkunft. Eine Klinge, geschmiedet in Alalea und als einzige seiner Besitztümer noch nicht im Nebel des Vergessens verloren.
»Richtete euch auf Fiondil« befahl er dem noch immer Knienden. »Tangado haid!« seine Stimme hallte durch den Wald. Er blickte auf die Soldaten, welche nunmehr neuen Mut gefasst hatten und wieder auf die kleine Elfenschar, von nunmehr 32 Mann zurannten. »Leithio i philinn!«.
Hunderte Pfeile schossen wie aus dem Nichts auf die Angreifer zu, streckten sie nieder. Jeder Pfeil, jeder Schuss fand sein Ziel mit absoluter Perfektion. Aus dem Wald kam eine Armee aus Elfen, beinahe dreihundert Mann, gekleidet in goldene Rüstungen und in vorderster Front ein weißer Hirsch, auf dem eine blonde Elfe in einem langen, weißen Kleid ritt. »Lû i Edhellim dîn anglenna« flüsterte er leise und sein Blick striff den des Reiters. Und er sah durch ihn hindurch. Sah durch die Rüstung und die Maske des toten Fleisches, sah durch die Masken hinter den Masken und erblickte das Angesicht des Lichts. »Im cen- lîn fae« hallte sein Flüstern über das Schlachtfeld, durchdrang die Rüstung.
Und dann kam das Feuer. Doch es kam nicht in Gestalt von Isis flammenden Reiter, es kam nicht wie ein rotes Meer über sie um sie zu verschlingen. Das Feuer ergoss sich als goldenes Farbspektrum über die Soldaten vor dem Wald, verzehrte sie und schmolz Ross und Reiter. Das ohrenbetäubende Brüllen des Drachens erschütterte den Boden. »Dangen«
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BeitragThema: Re: Ausläufer des Waldes    Mi Dez 31, 2014 12:38 am

Als er das plötzliche Aufkommen der fremden erkannte, das lichten des Nebels und das Erscheinen seines Herrn, stockte ihm der Atem. Die Feinde fielen wie Figuren und binnen weniger Augenblicke hatte sich ihre, Anfangs so aussichtslose Lage in etwas gewandelt, dass er nicht für möglich gehalten hätte. Und etwas kam in ihm auf, dass er fast geglaubt hatte zu vergessen. Hoffnung. Das Gefühl, nicht allein in einem Kampf zu stehen und nicht einer Lage ohne Perspektive gegenüber zustehen, denn wer auch immer die Fremden waren, sie waren Angehörige seines Volkes und noch dazu hatten sie sie vor den plötzlich auftauchenden Feinden gerettet. Ebenso sah er zum ersten Mal Beriadan im Kampf und auch wenn sein strenger Blick der gleiche war wie zuvor, so machte es ihn doch Stolz ihn in diesem Augenblick neben sich zu wissen.
Vielleicht hatte der Wald sein Gebet tatsächlich erhört? Doch da war noch etwas anderes, das tiefe Grollen, gefolgt von dem plötzlichen Auftauchen einer Bestie die Feuer gespuckt hatte. Und all das was er zuvor für Märchen, für Dummheit und Klamauk gehalten hatte, war mit einem Mal gar nicht mehr so unvorstellbar, so unantastbar und unglaublich.
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