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 Gemächer des Sultan

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Der Erzähler
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BeitragThema: Gemächer des Sultan   So Jan 25, 2015 12:41 am

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Leandra Farro

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BeitragThema: Re: Gemächer des Sultan   Mo Jan 26, 2015 1:19 am

Ein dünnes, in dem Licht der Fackeln beinahe durchsichtiges Nachthemd bedeckte ihren schmalen, schaudernden Leib während Leandra ein paar Wachen zu den Gemächern des Sultans folgte. Ab und an war sie stehen geblieben und hatte die kühle Nachtluft genossen, die durch ihr langes, blondes Haar gestrichen war, wie die Hände eines lang vermissten Geliebten, den sie selbst nicht besaß und ihre eigenen Schritte auf dem kunstvollen Marmor hallten unnatürlich laut in ihren eigenen Ohren wieder.
Ihr Herz schlug heftig in ihrer Brust, pochte immer wieder gegen ihre Rippen und machte ihr das Atmen zur Qual während sie mit gesenktem Kopf Schritt um Schritt nach vorn trat. Sie wusste ganz genau, was kommen würde - was sie tun würde, wenn sie erst mit dem Sultan allein war und was sie Emhir noch vor ein paar Stunden angeboten hatte - dass es nun jedoch so rasch geschehen würde, damit hatte sie keineswegs gerechnet. Der Sultan hatte sie zu sich rufen lassen und Leandra war jenem Befehl ohne weitere Fragen gefolgt, hatte sich weder gesträubt, noch ein einziges Wort darüber geäußert, weil sie sehr genau wusste, was sie in anderem Fall erwarten würde und als sie die großen Flügeltüren sehen konnte, die zu den Schlafgemächern des Sultans führten, hielt Leandra für einen Moment lang den Atem an.
Es war genau diese Handlung, die es ihr ermöglichte, sich nicht dem Brechreiz hinzugeben, der unweigerlich in ihr aufstieg als sie den Raum betrat und die Türen wieder hinter ihr ins Schloss fielen. Gehorsam sank sie auf die Knie und neigte das Haupt zu Boden, um dem Herrscher des Landes den Respekt zu zollen, der ihm gebührte und gleichzeitig auch ihren Blick von der Szenerie abzuwenden, die sich ihr hier bot.
Auf dem riesigen, überdimensionierten Bett lag der Sultan, mit Hunderten von Lagen Stoff bedeckt, die wohl ausreichen würden, um einer ganzen Familie ein Zelt zu errichten und der Geruch von altem Schweiß und Fett lag in der Luft. Silberne Tabletts standen nahe des Bettes, auf denen ganze Perlhühner aufgebahrt waren, von denen der Sultan eines halb im Mund hatte während Fleischreste und Hautfetzen in seinem Bart hingen. Immer wieder musste Leandra bei dem Anblick würgen, immer wieder kam ihr die Galle hoch, wenn sie ihren Blick über die Beine des Alten wandern ließ, die breiter waren als ihr gesamter Oberkörper und wie es ihr gelang, ihre Beherrschung zu behalten, wusste sie im Nachhinein selbst nicht mehr.
Sie hatte gewartet bis die Wachen vor den Türen in ihren eigenen Gesprächen und den Kartenspielen vertieft waren, hatte gewartet bis der Sultan abgelenkt war ehe sie nach vorn getreten war, um die Kissen aufzuschütteln, die hinter dem Sultan aufgereiht worden waren und die wohl breit genug waren, um zumindest einen großen Teil seines Rückens zu stabilisieren.
Sie hatte keine einzige Miene verzogen als sie nach dem Kissen gegriffen hatte, hatte nicht eine einzige Miene verzogen als sie es dem Sultan auf das dicke Gesicht gedrückt hatte und damit sein Husten erstickte, nachdem er sich an einem der Hühnerknochen verschluckt hatte. Mit ihrem ganzen Gewicht drückte sich Leandra auf das Kissen, schob sich weiter nach oben und presste ihre Arme auf das Kissen bis sie letztlich selbst auf dem Kissen saß, spürend, wie der Zorn der jahrelangen Sklaverei in ihr empor kroch. Das hier - der Mord an jenem Mann, an den sie einst verkauft worden war, fühlte sich in diesem Augenblick wie Gerechtigkeit an.
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Der Erzähler
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BeitragThema: Re: Gemächer des Sultan   Mo Jan 26, 2015 1:31 am

Der Schrei des Mannes wurde von dem großen, dicken Kissen erstickt, während er spürte wie ihm die Luft ausging. Er hustete, verschluckte sich nur noch mehr an dem Hühnerknochen, der ihm quer im Hals stecken blieb und dort die Speiseröhre aufriss. Warmes Blut stieg ihm in den Mund, lief aus seinen Mundwinkeln, hinein in den Bart und vermengte sich mit Essensresten. Seine Augen traten aus dem Kopf hervor, blutunterlaufen und gelblich, während der Druck immer mehr stieg. Er spürte, wie ein Husten seinen gewaltigen Leib zu erschüttern versuchte, während ihm die Luft jedoch ausblieb. Der Geruch des Kissens, jener süßliche Geruch des Lavendels stieg ihm in die Nase.
Seine gewaltigen Füße strampelten, seine Hände zitterten und zuckten, während Leandra noch kräftiger drückte - ihren ganzen Hass und ihre ganze Wut in jenen verzweifelten Akt der Rache senkte. Erneut drückte sie zu, und er spürte wie sein Hals zu zerreißen drohte - der Schmerz in seinem Hals wurde beinahe unerträglich. Er spürte, wie Spasmen seine Beine ergriffen und mit einem letzten verzweifelten Griff, bekam er die Haare des Mädchens zu fassen. Der Mann war dick und schwerfällig, doch besaß er eine ungeheure Kraft. Er riss das Mädchen von sich, warf das Kissen fort und wollte den Mund öffnen um die Wachen zu rufen, doch dunkles, beinahe schwarzes Blut füllte seinen Mund und nur ein Gurgeln kam heraus, er drehte sich mit aller ihm gegebenen Kraft um, kroch auf das Mädchen zu, während Blut und Eiter aus seinem Mund liefen, in den Bart sickerten und seine gelblichen, blutunterlaufenen Augen sich auf sie richtete. Er griff nach ihr, lehnte sich mit seinem gewicht auf sie und drückte ihr den Hals zu - drückte immer fester, während ihm die Zornesröte ins Gesicht stieg. Dunkles Blut troff auf Leandras weißen Hals, der so zerbrechlich in den gewaltigen Händen des Sultans wirkte.
Und dann, mit einem Mal ließ die Kraft in seinen Armen nach, und ein Taubheitsgefühl breitete sich in seiner linken Seite aus - es war ihm, als hätte man ihm das Augenlicht auf der linken Seite genommen und alles zerreißende Kopfschmerzen entflammten seinen Blick, ehe er vorne über fiel und Leandra halb unter sich begrub.
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