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 Beriadanas Haus

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Der Erzähler
Spielleitung
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BeitragThema: Beriadanas Haus   Mo Dez 22, 2014 1:10 am

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Beriadan

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Mo Dez 22, 2014 1:29 am

Beriadan sah hinauf zu den Sternen, welche durch ein Loch im Laub von seiner Empore aus gut sichtbar waren. In seinen Augen glitzerten die Gestirne und spiegelten sich auf dem glasklaren, schwarzen See am Fuße des Balkons wider. Als er hörte wie sich Guineveres Schritte nährten wandte sich der alte Elf langsam um, nahm sie in Augenschein. »Bei Sternenlicht strahlst du noch schöner als zur Zeit der Sonne« gestand er ihr und zeigte ein weiches Lächeln, welches seine Augen erstrahlen ließ. »Du bist in einen Streit zwischen deinen beiden Freunde geraten, nicht wahr mein Kind?« fragte er leise, wenngleich es auch nicht wirklich wie eine Frage klang. »Ich habe befürchtet, dass es so ausgehen würde aber es war zu erwarten gewesen. Der junge Prinz von Königsberg ist einer jener Aristokraten, der die Furcht vor unserem Volk und unserem Anspruch mit der Muttermilch aufgesogen hat. Nebst dem Schmied? Er ist ein einfaches Gemüt welches sich mit Sicherheit trunken von der Welt der Elfen zeigt. Und von dir, schönste aller Blumen. Aber er ist ein Mensch. Nur ein Staubgeborene. Und die Sterblichen neigen dazu eine Blume auszureißen und sie sich in eine Vase zu stellen, wo sie ihre Schönheit nur für sie und nur für wenige Wochen behält ehe sie verwelkt und stirbt« er schüttelte den Kopf. »Verwechsle die Sterne nicht mit ihrem Spiegelbild auf der Wasseroberfläche« warnte er sie dezent. »Du bist für Höheres auserkoren«.
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Mo Dez 22, 2014 1:41 am

Sie schlug die Augen nieder angesichts jener Worte, mit denen Beriadan sie begrüßte und die erstaunlicherweise weit mehr der Wahrheit entsprachen, als sie es ihm hatte im ersten Moment noch zugestehen wollte, doch ihr blieb nichts anderes übrig als ein trauriges Lächeln auf ihre Züge zu bringen. War es wirklich das, was sie wollten? Sie nur aus dem Boden reißen, in dem sie verwurzelt gewesen war, um sie in eine Vase zu stellen und zu bewundern, bevor sie verdorrte und sie anschließend fortwarf? Er war so viele Jahre älter als sie, hatte das Wesen der Menschen kennen gelernt und wurde wohl nicht mehr von ihren Lügen geblendet, wie sie es all die Jahre gewesen war, weil sie zu naiv gewesen war, um die Wahrheit hinter ihren schönen Worten und ihrem freundlichen Lächeln zu erkennen. "Er hasst die Elfen, er will, dass ich zurückkehre und er sagt mir, ich würde hier nicht her gehören, dass es meine Familie war, die Schuld an dem Leid unseres Volkes trägt ... er ist ebenso wenig wie die Großmeister derjenige, als den ich ihn kennen gelernt habe. Er ist genauso grausam wie sie und ich fürchte darum, er könne sich mit ihnen einlassen, um dich zu bekämpfen ...", führte sie leise an, als sie neben ihn trat und ihren Blick zu Beriadan hinauf lenkte, welcher neben ihr stand und in dessen bleichem Gesicht sie das weiche Mondlicht strahlen sehen konnte.
"Wie vermagst du es, das Wesen der Menschen zu erkennen, ada? Wie Lüge von Wahrheit zu unterscheiden?", fragte sie schließlich leise und mit einem brüchigen Lächeln auf den Zügen ehe sie sich halb zur Seite sinken ließ, nur um ihren Kopf an seiner Schulter zu betten und hinauf in die Sterne zu blicken, die sich über ihnen vom Himmel erhoben und ihnen den Weg zu leuchten schienen. "Ich weiß nicht einmal, wohin ich selbst gehöre - nur, dass dieser Ort sich nach Heimat anfühlt."
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Mo Dez 22, 2014 10:46 pm

»Ich wandle bereits sehr lange auf dieser Erde Tochter« erklärte Beriadan leise und glitt zu einem fein gearbeiteten Stuhl aus fahlem, abgeschliffenen Holz und ließ sich darauf sinken, schlug den Mantel halb über eine der Lehnen und faltete die Hände.
»Ich zähle nunmehr über eintausendfünfhundert Lebensjahre junges Sternenkind. Ich wurde in einem Land geboren, frei von den Sorgen und Nöten der Sterblichen«. Er blickte auf den Sternenkristall, welcher in seinem Ring eingelassen war und ließ erst einige Sekunden später seine Aufmerksamkeit zurück zu Guinevere wandern.
»Ich habe in die Abgründe der sterblichen Seele geblickt und das Wesen der Menschen erkannt. Sie sind Tiere meine Liebe. Raubtiere, die in ihrem tiefsten Inneren ungezähmt sind. Alles was sie erfanden - Kultur, Schrift, das Ständesystem. Sie haben dieses Wissen von uns gestohlen, glaubten sich zu kultivieren und ihre tierische Natur hinter sich zu lassen. Aber kratze nur ein wenig an diesem Lack, lege die Oberfläche frei und du siehst in den Abgrund. Sie interessieren sich stets nur für ihr eigenes Leben, ihr eigenes Wohl. Sie sind es nicht gewohnt Opfer zu bringen und sie sind zu bequem es zu tun. Stets sind sie froh, wenn es ein Unbekannter tut. Wenn jemand Anderes an ihrer statt aufsteht. Die Überschaubaenr, die trotz allem mit einem aufrechten Herz geboren werden, werden von der Umwelt die sie sich aufbauten zerstört. Nur der Stärkste kann überleben. Dies mag im Tierreich funktionieren, doch haben sich diese Wölfe ein Schafspelz der Kultiviertheit übergezogen. Sie haben sich gewandelt vom reißenden Wolf zu einem Wer-Wesen, weder halb noch ganz. In ihrer Gesellschaft der Stärksten, fern von jedem Mitleid überlebt nicht der Frenetischste - sonder der Skrupeloseste. Nur derjenige, der ohne Mitleid und ohne Gewissen durch die Welt streift« beantwortete er ihre Frage.
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Mo Dez 22, 2014 11:00 pm

Guinevere war mit gedankenverlorener Miene stehen geblieben und hatte ihren Blick, wie zuvor auch Beriadan hinaus auf den kleinen See gelenkt, der sich am Fuße des großen Balkons abhob und in dessen spiegelnder Oberfläche sie den Glanz der Sterne sehen konnte, die sich weit über ihnen am Himmelszelt erhoben. Das Licht des Mondes, das hier auf sie hinab fiel, war so viel sanfter als es das grelle Licht der Sonne, das sonst diesen Ort hier erhellte, es zeichnete diesen Ort hier weicher und ließ sie ab und an vergessen, welcher schwierige Weg hinter ihr lag und welchen Verlust sie hatte erdulden müssen. Sanft glitt der nächtliche Wind durch ihr dunkles Haar, strich ihr über das Gesicht und ließ ein paar verirrte Haare sie auf den hohen Wangen kitzeln bis sie sich dazu entschied, die Hand zu heben und sie wieder zurück zu wischen.
Still hatte sie den Worten des Älteren gelauscht und sich seine Weisheit eingeprägt, denn so sehr sie seine Worte in ihrem Innersten auch erschütterten, so wenig konnte sie ihnen den wahren Kern absprechen. Die Großmeister waren skrupellos gewesen, als sie nach der Macht gegriffen hatten, der Adel behielt seine Position zu einem Teil nicht nur aus dem Recht ihrer Geburt, sondern aufgrund der Furcht vor den möglichen Konsequenzen einer Rebellion. Magier, die nicht dem Adel entsprangen, wurden getötet, gleichgültig wie jung sie auch sein mochten und zum ersten Mal begann Guinevere wahrhaft zu begreifen, wie grausam die Welt war, in die sie hinein geboren wurde und die sie eines Tages hätte führen sollen. Sie scheute jetzt vor dieser Verantwortung zurück, aus Furcht eines Tages ebenso skrupellos und grausam zu werden, nur um ihre Position zu behaupten - fürchtete sich davor, zu jenem Raubtier zu werden, von dem Beriadan gesprochen hatte. "Sag, haust dieses Raubtier auch in meiner Seele? Gibt es dort etwas, vor dem ich mich fürchten muss?"
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Mo Dez 22, 2014 11:09 pm

Beriadan blieb für eine Weile stumm und blickte in die Ferne, schien sich für einen Augenblick zu verlieren und nicht mehr an diesem Ort zu verweilen. Das Licht des Mondes, welches sich wie eine seidene Decke über alles legte und die Welt in einem sanften Blau verschwinden ließ färbte sich in seiner Erinnerung rot.
Flammen leckten aus dem Thron, flammen leckten an dem Interieur und die Schreie von Elfen drangen an sein Ohr. Die Rüstung aus Silberin lastete auf seinen Schultern, sein vom vielen kämpfen müder Arm war beinahe taub. Er hörte das Sirren von Pfeilen, das Geschrei von Menschen die versuchten zu Atmen, während Pfeile mit weißen Federn ihre Lunge durchbohrt hatten. Er sah das Gesicht des blonden Mädchens, welches verzweifelt nach ihrem Meister suchte - spürte die in ihr erwachende Kraft und hob sein Schwert, traf jemand anderen - einen Jungen, ebenso blond mit den gleichen Augen. Blut troff auf sein Schwert, das Mädchen schrie, weinte, flehte. Eine Kaskade aus Wasser die ihn erfasste, fort spülte ehe er sich gegen die Magie zur Wehr setzen konnte. Seine Kehle war rau und schmerzte von den gebrüllten Befehlen, während die Welt um ihn herum in einem Flammenmeer versank. Der Gestank verbrannten Fleisches. Tote, silberne Augen der gefallenen Elfen die ihn anstarrten. Vorwurfsvoll, leer, kalt. »In jedem von uns tobt ein Kampf zwischen 2 Wölfen - Der eine Wolf ist böse. Er kämpft mit Ärger, Neid, Eifersucht, Sorgen, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus und Missgunst.
- Der andere Wolf ist gut. Er kämpft mit Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Wahrheit.«
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Mo Dez 22, 2014 11:23 pm

Sie spürte den langen Moment der Stille und des Schweigens wie einen Mantel, der um sie beide gezogen wurde und verharrte schweigend an ihrem Platz. Für einen kurzen Moment nur erlaubte sie sich die Augen zu schließen und den sanften Geräuschen des Waldes zu lauschen, in dem sie sich befanden, dem leisen Plätschern des Sees vor ihr, die Geräusche der Eulen in den hohen Baumkronen über ihnen. Die Elfen lebten hier in einem solchen Einklang mit der Natur und dem ihnen gegebenen, dass sie nicht mehr begreifen konnte, warum es einst diesen Krieg gegeben hatte - sie verstand nicht mehr, warum die Menschen sie so sehr fürchteten, jetzt, da sie die Wahrheit hinter all den grausamen Geschichten der Großmeister kennen gelernt hatte, die auch ihr einst erzählt worden waren. Mochte es sein, dass es daran lag, dass sie selbst ein Teil dieser Geschichte war, dass sie schon immer hierher gehört hatte und bislang nur nie den Weg hierher gefunden hatte, aber zum ersten Mal lächelte sie über die Stille und genoss sie, versuchte nicht mehr sie mit Belanglosigkeiten zu erfüllen, die sie einst so lang begleitet hatten.
Erst als Beriadans Stimme wieder den Mantel zerriss, wandte sie sich zu ihm herum und trat mit langsamen Schritten auf ihn zu. Sie erkannte das Leid in seinen Augen, den furchtbaren Schmerz, den er einst hatte erdulden müssen und sie mochte es sich nicht vorstellen, wie es für ihn war - das Wesen aus den Armen fortgerissen, das er liebte, seine eigene Familie, manipuliert und beeinflusst von den Feinden, mit Waffen in den Händen, mit denen sie sein eigenes Volk ermordeten. Sacht ließ sie sich vor seinem Platz zu Boden sinken, ließ zu, dass der feine Stoff ihres Kleides über den Boden striff und trockene Blätter zur Seite fegte. "Es tut mir leid", sagte sie leise, als sie nach seinen warmen Händen griff, Hände, die stets warm und freundlich zu ihr gewesen waren. "All das, was dir die Menschen antaten - was meine Familie dir angetan hat ...", führte sie leise fort und neigte sanft den Kopf, lehnte ihre Stirn gegen die weiche Haut seines Handrückens ehe sie wieder zu ihm aufblickte.
"Lass uns nicht den grausamen Wolf füttern."
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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Mo Dez 22, 2014 11:35 pm

»So ist es richtig« meinte er leise und nahm sie zärtlich in den Arm, strich ihr sanft über das dunkle Haar und gab ihr einen Kuss auf den Haarstrich. »Und es gibt nichts was ich dir zu verzeihen hätte. Deine Familie, ist auch die Meine. Ich wusste selbst, welche Probleme sich auftun könnten als ich mich in deine Ahnin verliebte. Ich war damals jedoch noch jung und hätte niemals ahnen können, wie dunkel das Herz der Menschen ist« er schüttelte den Kopf und strich ihr sanft über die Wange. »Aber all dies ist vorbei und vor dir liegt eine Ewigkeit, so du es denn möchtest« erklärte er ihr und trat zusammen mit seiner Nachfahrin auf die Galerie. »Ich werde dich unsere Sprache lehren, unser Wissen und unsere Kultur. Wenn du gelernt hast und gereift bist, dann wirst du vor die Wahl gestellt werden. In dir fließt das Blut meines Volkes und es ist stark. So du dich denn entscheidest deine Sterblichkeit hinter dir zu lassen, so wird es vollends seine Kraft entfalten«
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Mo Dez 22, 2014 11:50 pm

Der König der Elfen hatte die letzten Stunden mit Guinevere verbracht, hatte mit ihr über die Sitten und Gebräuche der Elfen gesprochen, ihren aufgewühlten Geist beruhigt und versucht ihr ein Anker zu sein, in einer Welt die für sie aus den Fugen geraten war. Natürlich war diese Welt schon seit Jahrhunderten nicht viel mehr als ein Wirbel des Chaos und der nackten Angst, welche nur all zu viele gute und reine Wesen befiel und sie verdarb. Als er seine Nachfahrin schließlich hatte gehen lassen und ihr eine gute Nacht wünschte ließ er Jonathan zu sich rufen.
Mittlerweile war die Nacht hereingebrochen und nur noch spärliches Mondlich fiel durch die hohen Fenster, durch die ein warmer Sommerwind entgegen der eigentlichen Jahreszeit wehte. Beriadan, welcher auf dem hohen weißen Stuhl saß schien jedoch von innen heraus zu glühen, ein weiches, unstetes Leuchten welches nur ihm anzuhaften schien, denn die Elfen die ihn herbei gebracht hatten zeigten nichts von dieser Illumination.
Jonathans Hose war noch immer von Grasflecken verunreinigt, seine Knöchel, welche beim Schlag auf Wilfried aufgeplatzt waren, zeigten noch immer rote Schlieren vom Blut. Man hatte ihm keine neue Kleidung gegeben und der Junge roch nach Adrenalin und Moschus. »Jonathan, aus der Familie Hadley« intonierte der Elf und sah den anderen für eine Zeit lang an. »Was wollt ihr hier?«
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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Di Dez 23, 2014 12:04 am

Der Raum, indem er war, war gebettet in den silbrigen Schein des Mondes, der durch den dichten Blättervorhang in der Decke drang. Die Elfen die um ihn herum postiert waren, trugen feine Rüstungen, welche mit, ihm unbekannten Steinen verziert waren. Das Licht indess wirkte fast wie aus einem Traum geboren, wie ein Schleier den man über die Welt gelegt hatte und der nun alles in eine absurde Realität kleidete. Er konnte es nach wie kaum glauben, denn alles was er um sich herum sah, widersprach dem, was er als Kind gelernt hatte. Er war den ganzen Tag über durch die Wälder gestreift, hatte sich jeden noch so kleinen Winkel angesehen, doch von Grausamkeit sprach hier nichts. Ebenso wenig von Blutrünstigkeit oder Bosheit, alles was er hier sah und spürte, war ein Frieden, denn man in jeder Stadt der Menschen nur vergeblich suchen konnte.
„Ich will meiner Prinzessin dienen, mein Herr.“ Erklärte er leise und ging erneut auf die Knie, diesmal jedoch auf beide. Den Blick gesengt, sah er nur die alten Steinplatten, die inzwischen eins geworden waren mit dem Boden, nein, vielmehr schien es als seien sie das schon immer gewesen.
„Ich versprach ihr einst Ihr zu helfen wie ich nur kann, und an dieses Versprechen halte ich nach wie vor fest. Noch dazu schäme ich mich dafür, etwas derart boshaftes über euer Volk geglaubt zu haben, was sich nun, da ich hier bin, als derart falsch heraus stellt. Deswegen will ich ebenso im Namen meines Volkes um Entschuldigung bitten, so gering diese Geste auf wirken mag.“
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Di Dez 23, 2014 12:14 am

»Eure Prinzessin?« echote Beriadan und ein schmales Lächeln verzog sein Gesicht grausam. »Sie ist keine Prinzessin eurer Rasse, Mensch«.Das letzte Wort sprach er dabei so kalt und so voller Abscheu aus, als würde er über ein besonders widerwärtiges Insekt reden. »Ihr bittet also um Entschuldigung für euer ganzes Volk? Stellvertretend? Wer seid ihr, dass ihr solch eine noble Geste von mir fordert? Oder kennt ihr eure Sprache nicht? Ich soll euer Volk ent-schuldigen? Es von der Schuld freisprechen an meinem Volk ein Genozid verübt zu haben? Nein« seine Stimme war dunkel geworden, bedrohlich angeschwollen wie ein Flüstern in der Finsternis, das uralten Groll in einem Echo der Jahrtausende hinweg an Jonathan heran trug. »Niemals wird eurem Volk verziehen werden. Weder von mir noch von den meinem. Über Jahrtausende habt ihr uns gequält, uns zu den Schauermärchen eurer Kinder gemacht und den Hass selbst in die jüngsten Gedanken gesät. Niemals will ich euch oder einem anderen Menschen vergeben. Mein Herz möge zu Stein erstarren, sollte ich die Schuld von euren Schultern nehmen!« erklärte er hart und kalt wie Eis.
»Ihr verspracht ihr einst zu helfen, wo ihr nur konntet? Dann geht. Lauft fort, zurück zu eurem Amboss und eurer Esse und überlasst meine Tochter mir und meinem Volke«
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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Di Dez 23, 2014 12:25 am

Er neigte den Kopf, tiefer als er es noch bisher getan hatte und schluckte leicht. Er wusste nicht wie er den Elf vor sich einschätzen sollte, denn der plötzliche Ausbruch an Emotionen, nein, der plötzliche Ausbruch an Hass hatte ihn einen kurzen Augenblick lang in seinen alten Wesenszugs geschleudert. Zurück in die Zeit, in der er sich vor diesem Volk gefürchtet, es sogar verachtet hatte. Und nicht zuletzt auch ihn, den Herren dieses Volkes hatte er angegriffen. „Es war nicht meine Absicht die Taten meines Volkes gänzlich zu entschuldigen. Ich sprach dies nur im guten Willen, in der Hoffnung ich könne damit helfen.“
Die Frage wie er sich jetzt verhalten sollte kreiste in seinem Kopf herum. Das Wissen, dass gut ein Dutzend bewaffneter Männer um ihn herum standen und jeden Moment die Waffen auf ihn richten konnten, verstärkte sein Unbehagen nur weiter. „Ich bitte euch untertänigst, sendet mich nicht zurück. Ich habe nichts mehr zu dem ich zurückkehren kann, ich verlor alles und bin Mittelos. Alles was ich noch habe, ist das Versprechen das ich eurer Tochter gab. Ich will dienen und mich beweisen, zeigen dass ich keine grausamen Gedanken hege. Wenn ihr es denn erlaubt, Herr.“
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Di Dez 23, 2014 12:34 am

»Ihr hattet Hoffnung es würde helfen? Was sollte helfen? Das ein einfacher Schmied, ein Sterblicher der noch nie das Licht Alaleas erblickte darum bettelte, dass ich seinem Volk Frieden schenken würde?« fragte er leise und stand langsam auf, erhob sich aus dem Stuhl und sein langer Mantel raschelte wie Herbstlaub über den Boden. »Ihr habt also nichts mehr zudem ihr zurück kehren könntet? Was habt ihr verloren? Eure Liebste, die euch entrissen und vor euren Augen an einen Anderen verheiratet wurde, der euer Kind als das seine aufzog? Was habt ihr verloren? Eure Kultur, welche ihr zu erhalten versucht während um euch herum eure Welt in Brand gesteckt wird?« er umschritt den Schmied, langsam und geduldig. »Habt ihr eure Familie verloren, welche sich nunmehr durch einen Wink des Schicksals gegen euch gestellt hat? Habt ihr euer Herz verloren, welches einsam und allein in euer Brust verdorrte? Habt ihr euch selbst in der Zeit der Verachtung verloren, welche über diesem Land liegt?« erneut verstummte er. »Nein, wartet - meine Tochter erzählte es mir. Ihr habt eure Schmiede verloren, nicht wahr? Habt mein Mitleid. Es muss furchtbar für euch gewesen sein« er blieb schließlich vor ihm stehen, musterte ihn für eine Zeit lang.
»Ihr wollt mir also dienen? Was wollt ihr tun? Mir als Mundschenk dienen, ohne die Getränke meines Volkes zu kennen? Die Bücher in der Bibliothek zu sortieren, deren Titel ihr nicht einmal lesen könnt? Soll ich euch als Sklave halten und zu meiner Belustigung tanzen lassen, wie es die Menschen so gerne tun? Ihr gehört mir nicht. Und ich danke dem großen Licht und der alten Weide dafür, dass dem so ist«
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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Di Dez 23, 2014 12:43 am

„Nein mein Herr.“ Er richtete den Kopf, erstaunlich hoch wie er selbst feststellte auf und sah den Elf an. „Nun, doch um genau zu sein. Doch meine Schmiede war nicht mehr als ein Ort von vielen, zu dem ich hätte zurückkehren können. Nein, mein Herz hing bei weitem nicht an dieser alten Bude von Brettern die jede Nacht mehr Zugluft hindurch gelassen hat. Ich werde in meinem Land als Verräter geächtet, weil ich eurer Tochter half. Man wird mich, sobald ich in bewohntes Gebiet der Menschen gelange jagen wie ein wildes Tier zur besten Saison und wenn sie sich schließlich ihren Spaß mit mir gemacht haben, wird man mich foltern, aufknüpfen und langsam in aller Öffentlichkeit töten. Ich habe nichts mehr, zu dem ich zurückkehren kann.“
Die schimmernde Gestalt die ihn immer wieder flankierte und ihn abschätzig betrachtete, brachte eine abstrakte Komponente in das Lichtspiel des Mondscheins, jedoch schien es keinesfalls störend zu sein. Doch über all diese Faszination konnte ihm der Ernst der Lage nur schwerlich entgleiten, auch wenn er es gern getan hätte, denn sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Doch dann beruhigte es sich langsam wieder, urplötzlich und er fand den Mut aufzustehen. „Ich habe keine Angst davor zu sterben mein Herr, noch habe ich Angst davor dass man mich in schlechter Erinnerung behält. Doch was ich fürchte ist das ich hätte helfen können und es dennoch nicht tat. Es war der Grund, warum ich einst eurer Tochter half und entgegen aller Erwartungen konnten wir fliehen. Ich kenne meine Berufung in meiner alten Welt, doch diese wird mich nicht mehr in ihre Mitte aufnehmen. Was ich in dieser Welt, solltet ihr es denn wünschen, tun kann, wird sich zeigen.“
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Di Dez 23, 2014 12:54 am

»Man wird euch, sobald ihr in bewohntes Gebiet der Menschen gelangt jagen wie ein wildes Tier zur besten Saison und wenn sie sich schließlich ihren Spaß mit euch gemacht haben, wird man euch foltern, aufknüpfen und langsam in aller Öffentlichkeit töten...« wiederholte Beriadan. »Welch ein schrecklicher Gedanke. Ihr müsst angst haben auch nur eure Nase aus dem Wald heraus zu strecken. Es muss furchtbar entsetzlich sein zu wissen, dass die ganze Welt dort draußen nichts lieber sehen würde als euren Tod.« erklärte Beriadan leise, mit einem gewählten Unterton in der Stimme, ehe er wieder zurück zu seinem Thron kehrte.
»Ihr seid ein Mensch, Jonathan aus dem Hause Hadley und als solcher seid ihr auch an die Grenzen der Sterblichkeit gebunden. Meine Tochter mag euch und sieht in euch, entgegen jedweder Vernunft einen guten Freund. Doch ihr erinnert sie an ein Leben, dass sie niemals führen wird. Ihr werdet altern während Tag um Tag. Jahr und Jahr. Jahrzehnte an ihr vorübergehen ohne sie auch nur zu streifen. Ihr werdet in ihren Armen sterben und ein tiefes Loch in ihr Herz reißen. Ein Loch, dass nichts auf dieser Welt zu füllen vermag...« seine Stimme hatte einen anderen Ton angenommen und erneut schien er für wenige Augenblicke, kaum einen Herzschlag lang woanders zu sein, ehe er sich wieder fand. »Das werde ich nicht zulassen«
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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Di Dez 23, 2014 1:04 am

Die Aussage traf ihn wie einen Hammerschlag, denn es war eine Tatsache, die zwar die ganze Zeit über logisch geschlussfolgert werden konnte, die ihm bisher jedoch nicht bewusst geworden war. „Mir liegt es fern sie zu verletzten oder eine Wunde zu reißen, die man nicht schließen kann.“ Einen Augenblick lang wandten sich seine Augen von links nach rechts, unsicher darüber was er nun sagen sollte, denn er würde keine hunderte von Jahren alt werden, vermutlich nicht einmal siebzig oder achtzig, denn nur die wenigstens schafften dies und zumeist waren sie in diesem Alter schon gebrechlich oder gar erblindet.
„Doch ebenso wenig will ich sie verletzten, indem ich einfach gehe. Wenn meine Zeit kommt, so will ich sie nicht in ein Loch reißen aus dem es keine wiederkehr gibt. Wenn ihr es mir gestattet werde ich mit ihr darüber reden, darüber das meine Zeit hier nicht begrenzt sein wird und in stetigen Gesprächen darüber kann vielleicht langsam eine Vorbereitung dessen aufgebaut werden. Doch werde ich mich nicht von ihr abwenden mein Herr. Alles was ich noch an Freundschaften, an Bekannten und Lieben besitze ist sie.“
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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Di Dez 23, 2014 1:18 am

»Ist dem so?« fragte der Elfenkönig und stand auf, trat einige Schritte auf den anderen zu. Er war ein dummer, arroganter Mensch der tatsächlich glaubte, dass der Tod eine Sache sei über die man reden konnte. Schmerz wurde nicht weniger, egal wie viel man darüber sprach - er brannte sich tief in jedes Herz, jede Seele und blieb dort für immer. Verheilte möglicherweise nie ganz und wenn doch, ließ sie eine Narbe zurück.
»Erzählt mir doch noch mehr darüber, wie viel ihr verloren habt. Welche Ängste ihr durchleidet oder wie viel euch dieses Mädchen bedeutet, Mensch« er trat einige weitere Schritte auf ihn zu, legte seine Hand, die kalt wie Eis geworden war unter das Kinn des Jungen, welches bleich wurde als würde sämtliches Leben daraus entweichen.
Ein schreckliches Glühen durchfuhr ihn und das Licht, das ihn zuvor durchdrungen hatte wurde derart strahlend, dass es in den Augen brannte während zugleich dunkle Flecken seine Konturen, seine Aura durchzogen.
»Sie ist mein Erbin. Ein Erbe welches ich über die Jahrhunderte verfolgt habe. Ein Erbe, welches ich verlor. Ich habe alles verloren - mein Volk, meine Familie und meine Liebe« Er richtete sich zu voller Größe auf, während die weiße Haut sich weiter ausbreitete, schrecklich schmerzte. »Ich bin Beriadan Elvea - der Stern des Westens. Einer der Alearae. Das hellste Licht jenseits der Sterneninseln. Wage es nicht mich zum Narren zu halten, Sterblicher! Ich habe Euergleichen mehr als einmal getötet. Ich habe euch erhängt, erstochen, ausweiden lassen. Ich habe euch die Kehle durchgeschnitten und eure Seele verglühen lassen im reinigenden Licht!« das Licht schwand, der Schmerz ebenso und Jonathan wurde losgelassen. »Dies hier ist mein Reich und mein Wort ist Gesetz«
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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Di Dez 23, 2014 1:30 am

Er erschrak als er die tiefe, grollende Stimme des Elfenfürsten hörte, der ihm mit einem Griff am Kinn packte, der einer Schraubzwinge nicht unähnlich war. Er hatte versucht Verständnis zu zeigen und all die Umgebung hier zeugte davon dass die Elfen vieles waren, jedoch nicht das barbarische Volk für das sie die gesamte Menschheit hielt. Doch der Hass in den Augen des Herrn vor ihm ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Brachte ihm eine Gänsehaut ein wie er sie nie gespürt hatte und auch wenn er zuvor noch behauptet hatte er habe keine Angst vor dem Tod, so spürte er doch eine starke Furcht in sich aufkommen.
„So setzt mich also im Gebiet eurer Gefährten aus.“ Erwiderte er schließlich leise. „Ich las ein, oder hörte vielmehr dass es auf vielen anderen Inseln der Welt ebenfalls Vertreter eures Volkes gibt. Gebt mich ihnen und lasst sie entscheiden was sie mit mir tun.“ Er schnappte nach Luft, versuchte jedoch Fassung zu bewahren. „Es scheint mir das Beste für Guinevere zu sein. Ich hinterlasse kein Loch, wie ihr es befürchtet. Sie muss nicht in der Angst leben das ich, ausgesetzt vor dem Wald, binnen drei oder vier Tage sterbe und sie wird keinem grollen, da mich keiner in eurem Wald tötete. Das Exil in ein anderes Reich der Elfen wird ihr daher, so vermute ich zumindest, am wenigsten Probleme bereiten.“
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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Di Dez 23, 2014 1:43 am

Das Problem einfach weiter zu schieben, war ein durchaus angenehmer Gedanke, aber Beriadan wusste, dass die meisten anderen Elfen sein Tun, sein Verbund mit einer Menschenfrau nicht guthießen. Sie hatten sich von ihm abgewandt und ihm niemals mehr Unterstützung zukommen lassen. Wenn er nun einen Menschen in das einzige Elfenreich schickte, das er außerhalb Alaleas kannte, dann würde dies zu Fragen führen die er nicht unbedingt beantworten wollte. »Lasst uns allein« befahl er und die Wachen verließen ohne großes Aufsehen zu erregen das Zimmer, ließen ihn und Jonathan allein. »Ich hätte euch gar nicht erst mitbringen sollen. Ein Fehler, der mir hätte klar sein müssen. Ihr Menschen glaubt immer, dass ihr die Oberhand hättet. Selbst jetzt diktiert ihr mir noch was ich zu tun haben, argumentiert mit den Gefühlen meiner Tochter. Ihr wollt bei Elfen sein, weil es euch gut tut. Ihr genießt unsere Kultur, wollt euch an ihr laben und nehmt sogar in Kauf von Guinevere, um die es euch angeblich ging, getrennt zu werden, solange ihr doch nur bei anderen Elfen unterkommt« er schüttelte den Kopf. »Ihr wollt meine Schwäche bezüglich meiner Tochter ausnutzen, argumentiert mit einem Kalkyl, das unbeschreiblich ist - schiebt ihre Gefühle als Grund vor. Ihr seid zu Feige um euren Entscheidungen in die Augen zu sehen und wollt euch unter meinem Volk verbergen - euch geht es nicht um die Prinzessin, sondern um eure eigene Haut!« mit einer fließenden Bewegung nahm Beriadan ein Messer vom Tisch, deutete damit auf Jonathan. »Ich kenne einen anderen Weg ihre Gefühle zu schützen« er wirbelte das Messer in seiner Hand, ehe er sich selbst einen Schnitt im Gesicht versetzte, nicht tief aber er blutete stark. Das Messer fiel klirrend zu Boden. »Wachen!«, der Ruf war kaum verklungen, schon standen die Elfen im Raum, sahen den verwundeten Beriadan und Jonathan, vor dem ein blutiges Messer lag. »Er hat euren König verletzt. Werft ihn ins Verlies, bis ich entschieden habe was mit ihm zu tun ist« befahl er leise und leichthin. »Wenn er möchte, kann er dort sicher und geborgen verrotten«
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Fr Dez 26, 2014 12:51 am

Betrübt hatte sich ihr Blick hinab zu dem Fluss gerichtet, welcher in das Meer mündete. Das Wasser rauschte in dem tiefen Flussbett, trug vertrocknete Laubblätter des Walds mit sich, ließ sie sich in kleinen Strudeln verfangen ehe sie gänzlich verschwanden, nur um erst Meter weiter wieder aufzutauchen - es waren dieselben Strömungen, die noch vor einigen Tagen zwei Menschen fortgebracht hatten, nachdem sie versucht hatten, den Frieden dieses Ortes zu zerstören. Trübsinn stand jetzt in ihren Augen, als sie an all die Versprechungen zurück dachte, die eben jene beiden Menschen ihr gemacht hatten und die sie mit ihrer übereilten Flucht mitten in der Nacht wieder zerstört hatten - einst hatten sie ihr versprochen, sie würden bei ihr bleiben und sie schützen, ihr dienen und sie unterstützen, doch in jenen langen Nacht hatten die beiden all das zerschlagen, worauf sie gehofft hatte. Die Elfen hatten ihr von alledem berichtet, wie Jonathan Beriadan angegriffen hatte und auch sie hatte die blutende Wunde in seinem Gesicht erblickt, dort, wo das Messer ihn erwischt hatte, die Elfen angehört, wie sie über die Flucht der beiden berichtet hatten.
Beriadan hatte sich darum bemüht, es ihr zu erklären, hatte ihr gesagt, dass dies nun einmal die Natur der Menschen war, dass sie nichts als Schmerz brachten und sie sie niemals so nah an sich hätte heranlassen dürfen. Er habe gesehen, dass er sie mit seinen menschlichen Schwächen und seinem Stolz gefesselt habe und dass er ihr nicht gut tue, dass er sie verletzen würde und er ihr den Schmerz ersparen wolle, den sie nun in ihrem Herzen pulsieren spürte, als bestünde die Pein aus dem dunklen Schatten, der sich durch ihre Adern fraß. Er hatte ihr gesagt, er habe ihn nicht mitnehmen wollen und es ihr doch nicht verwehren können, weil er wusste, ihr Herz würde wie Glas zerspringen, wenn er es ihr verbot.
Sie hatte ihm nicht geglaubt, doch jetzt als sie hier stand und hinunter zu dem Fluss blickte, spürte, wie ihr eigenes Herz schwer wurde, da wusste sie, dass er Recht gehabt hatte. Dass die Menschen ihr immer nur weh tun würden, weil sie niemals gänzlich zu ihnen gehören würde und dass Wesen wie Jonathan und Wilfried auf ewig versuchen würden, an ihr zu reißen bis sie eines Tages nichts mehr von ihr übrig ließen.
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Do Jan 08, 2015 1:12 am

Ihr Herz wog schwer, jeder Schlag fühlte sich an, als stoße jemand ihr ein Messer durch die Rippen und immer wieder ertappte sie sich selbst dabei, wie sie all jene beweinte, die an diesem Tag mitten in dem Wald gefallen waren. Niemals hatte sie einen Toten mit eigenen Augen gesehen, niemals gesehen, wie jemand ermordet worden war und der Schrecken steckte ihr noch immer in den Gliedern, ließ sie ihre Gedanken verlieren, die sie auf das Buch in ihren Händen hätte richten sollen, doch die Buchstaben zerflossen vor ihren Augen immer wieder und verwandelten sich in die fahlen Gesichter der toten Menschen und Elfen, die sie an diesem Tag gesehen hatte. Das, was sie gesehen hatte, war das wahre Antlitz der Großmeister und ihrer Tyrannei, die Grausamkeit der Menschen, als sie sie einfach abgeschlachtet hatten - es war kein Angriff von ihnen selbst ausgegangen, sie hatten nur um die armen Seelen der letzten Schlacht trauern wollen und nun waren all jene tot, die einst noch trauerten. Guinevere begriff es nicht, verstand den Grund dahinter nicht, warum die Menschen so etwas taten.
Warum die Bauern ihr hinterher gelaufen waren und sie in die Enge getrieben hatten, nachdem auch ihre Leibwächter ermordet worden waren. Sie hatten einen Kreis um sie herum gebildet, hatten sie immer wieder von einem zum anderen gestoßen und ihre widerlichen Witze gemacht bis Beriadan alledem ein Ende gemacht hatte; ihnen ein Ende gemacht hatte - noch jetzt glaubte sie, die dreckigen Hände an ihrem eigenen Körper zu spüren und fröstelnd rieb sie sich über die Arme, nur um sich weiter in den weiten Mantel ihres Vaters zu kuscheln, den dieser ihr über die Schultern gelegt hatte, als sie zurück gekehrt waren. Seither hatte sie sich geweigert, jenes kleine Stück der Sicherheit wieder abzulegen.
All das war ihre Schuld - alles, was geschehen war, war mitunter auch wegen ihr so geschehen, weil man glaubte, die Elfen hätten sie entführt. Vielleicht würde es einfach ein Ende haben, wenn sie diesen Wald verließ und zu den Großmeistern zurückkehrte, sich selbst geschlagen gab unter der Voraussetzung, den Elfen würde nichts mehr geschehen. Doch ihr junger Geist war zu furchtsam, um aufzustehen und diesen Ort zu verlassen - jenen einzigen Platz, an dem sie sich sicher fühlte, nachdem sie alle von den fremden Elfen gerettet worden waren.
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Do Jan 08, 2015 10:09 pm

Beriadans Gesicht wirkte seltsam alt und eingefallen, als er schließlich neben seine Tochter trat und ihr sanft einen Arm um die Schulter legte. Er hatte sie im letzten Moment vor dem Tod durch die Hand der Menschen schützen können - hatte sich auf die Hilfe von Fremden verlassen müssen um sein Volk zu schützen und das Gespräch mit Nyaralin, welche als "Königin der Elfen" betitelt wurde hatte ihm schwer zugesetzt. Leise Vorwürfe waren laut geworden - es hatte gehießen, er wäre selbst an alle dem Schuld gewesen, hätte sein Volk ob seiner Obsession zu dieser Menschenfrau ins Verderben gestürzt und auch Fiondil hatte nur zu bereitwillig gegen seinen Fürsten ausgesagt, als er die Bühne dafür bekommen hatte. Beriadan hätte ihn hinrichten lassen, wenn er nicht gewusst hätte, wie dies auf die andere Wirken musste. Sie hatten klar gemacht, dass Fiondil aufs Erste unter ihrem Schutz stand und so hatte er ihn laufen lassen, ehe er sich zu Guinevere aufgemacht hatte. "Die Menschen sind Grausam mein Kind. Doch gebe die Hoffnung niemals auf. Die Rettung, die Sternstunde unseres Volkes ist gekommen"
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Guinevere de Enyalíe

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Do Jan 08, 2015 10:22 pm

Guinevere presste die bebenden Lippen aufeinander, als sie den sanften Arm um ihre Schultern spürte und wandte nur schwerlich den Blick hinauf zu dem Älteren, in dessen Gesicht sie noch nie zuvor solch eine Erschöpfung erkannt hatte, wie in diesem Augenblick und Mitleid für den anderen regte sich in ihrem jungen Herzen, als sie eine Hand empor führte und ihre Finger sanft über die seinen streichen ließ. Sie schwieg, nahm seine Worte für eine ganze Weile lang so hin, in der sie nicht wusste, wie sie ihm hätte antworten sollen, ohne damit ihre Zweifel zu offenbaren - Zweifel, die sich in ihren Geist gesetzt hatten und Furcht, die sie über eine so lange Zeit gelähmt hatte. Früher einmal hätte es für kaum einen Unterschied gemacht, zu welchem Volk sie gehörte und ob sie nun spitze oder runde Ohren besaß, ob sie unsterblich war oder nicht, doch heute, nach den Ereignissen, hatte sich auch das verändert. Jetzt fürchtete sie die Menschen und ihre Grausamkeit, fürchtete die Großmeister und ihre Soldaten mehr als sie sie gefürchtet hatte, nachdem ihre Eltern ermordet worden waren - von denselben schändlichen, widerwärtigen Persönlichkeiten, die damals bereits den Krieg verursacht hatten.
"Es ist nicht deine Schuld ...", sagte sie dann und durchbrach damit leise die Stille, die zwischen ihnen gestanden hatte. Erneut wanderten die großen, blauen Augen des Mädchens hinauf zu dem Älteren und ein weiches Lächeln umspielte die vollen Lippen ehe sie sich behutsam aus der Sicherheit versprechenden Umarmung löste, um einen Schritt nach vorn zu setzen, ohne die Hand ihres Vaters loszulassen. Er brauchte sie in diesem Augenblick weit mehr, als sie ihn. Er hatte so unsagbar viel Leid auf sich genommen und zum ersten Mal wurde ihr bewusst, dass er es für sie getan hatte. Für ihrer beider Familie, von der sie die letzten beiden Überbleibsel waren, die die Großmeister übrig gelassen hatten. "Ohne dich würde es mich nicht geben ... ohne dich wäre ich nichts weiter als einer der Staubgeborenen. Ich bin nicht wie sie und ich will es niemals sein. Ich habe meine Wahl getroffen - ich will hier sein. Bei dir."
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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Do Jan 08, 2015 10:40 pm

Der strenge, ausgemergelte Blick in seinem Gesicht hatte sich nicht verändert, nicht seit der Anhörung über seine Taten, in welcher man ihm zur Verantwortung für all die Toten gezogen hatte, die an diesem Tag auf dem Waldboden Ekynes aufgefunden worden waren. Er hatte weder Widerspruch eingelegt, noch hatte er sich für eine der beiden Seiten weiter ausgesprochen. Er hatte es für klüger befunden, lediglich zu schweigen. Denn so grausam die Worte Beriadans auch gewesen sein mochten, so war er doch trotz allem sein Herr und Meister, selbst wenn er ihn vor seinem gesamten Volk bloßgestellt hatte. Der andere Elf hingegen, der, der aus dem fernen Land gekommen war, schien ebenso streng zu sein, jedoch auf eine weitaus rationellere Art und Weise, einem die man einem Militärtheoretiker zusprach, nicht einem … Größenwahnsinnigen.
„Herrin, Herr.“ Er verneigte sich tief, wie immer wenn er vor ihn, neuerdings auch vor sie trat. Seine Rüstung hatte er abgelegt, denn auch wenn man sich für ihn ausgesprochen hatte, so hatte Beriadan doch das letzte Wort gehabt, was die Versetzung des Postens betraf. Und das er einen Fehler gemacht hatte, konnte er nicht abstreiten. Er war nun wieder eine einfache Wache. Sein Dienst würde in zwei Tagen beginnen. Die Zeit die man ihm bis dahin eingeräumt hatte, hatte man ihm als Trauerzeit für seine Kameraden angerechnet. Doch er wollte nicht trauern, nicht jetzt.
„Ich wollte mich nur vergewissern, dass ihr inzwischen wieder in die Ruhe unserer Heimat gefunden habt Herrin, nachdem ich euch fälschlicherweise in die Unstete Umgebung der Menschen brachte. Und ich wollte mich erkundigen, so ihr mir dieses Wissen denn gewährt ...“ Er neigte den Kopf, starrte auf den Boden. „.. Wer künftig meinen Posten einnehmen wird.“
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Beriadan

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BeitragThema: Re: Beriadanas Haus   Do Jan 08, 2015 10:47 pm

"Ein Elf, der mir treu gegenüber steht und rational handelt. Jemand, auf den ich mich verlassen kann Fiondil. Es gab einst eine Zeit, in der ich glaubte, all dies würde auch auf euch zutreffen. Doch was ich von euch bekam war Ablehnung. Glaubt nicht, ich hätte nicht mitbekommen was ihr von mir denkt. Denkt nicht, ich wäre blind und taub gewesen. Und doch habe ich versucht euch zu vertrauen. Ich habe euch das Wichtigste gegeben, was ich besitze. Die Person, die mir am meisten am Herzen liegt und du hast sie in Todesgefahr gebracht" erklärte Beriadan, während er die Hand seiner Tochter sanft drückte. Er dankte den Göttern jedweden Glaubens dafür, dass sie nun bei ihm war - entgegen jeder Wahrscheinlichkeit und Gefahren.
"Beantworte mir und ihr nur eine Frage. Warum? Warum all das? Wieso sprachst du dich hinter meinem Rücken gegen mich aus? Wieso brachtest du sie in Gefahr?"
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