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Der Erzähler
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BeitragThema: Bibliothek   So Nov 09, 2014 6:04 pm

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Noreag

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BeitragThema: Re: Bibliothek   So Nov 09, 2014 9:22 pm

"Während dieses Rituals werdet ihr euch außerhalb meiner Reichweite aufhalten" wies Noreag Sahir an, während er langsam noch einmal um den mit Öl gezogenen Kreis schritt und darauf achtete, dass er richtig gezogen worden war.
Eine seltsame Stille war in den Saal eingekehrt. Eine Stille, derart tief und dröhnend, dass sie alle anderen Geräusche zu absorbieren schien und sich wie ein Leichentuch über die Geschehnisse legte. Noreag trat schließlich in den Kreis, trug die Urne, welche aus einem menschlichen Schädel gefertigt worden war vor sich wie ein heiliges Sakrament. "Du wirst unendliche Schmerzen erleiden müssen" meinte er leise zu dem Wesen, das einst Ryl´afay werden würde. Dann hob er langsam die Schädeldecke an und übergoss die Frau mit dem schimmernden, mit gemahlenen Drachenknochen versetztem Öl, ehe er ihr den letzten Rest zu trinken gab. Begierig trank Ryl die Schale bis auf den letzten Tropfen aus. "Deine Seele selbst wird brennen" flüsterte er leise, ehe er sich die Robe vom Leib riss und Oberkörperfrei vor ihr stand. Sein Haut war schneeweiß und makellos, ohne auch nur eine Narbe oder unebenheit aufzuweisen. Dann, mit einem einzigen Wort fing der Ritualkreis Feuer. Noreag hob die Arme in den Himmel und konzentrierte sich, sammelte alle Energie die er aufbringen konnte während die Luft um ihn herum immer heißer und stickiger wurde. Er spürte die Hitze des Feuers bereits aus dieser Entfernung auf seiner Haut während er die geheimen Worte rezitierte und in Ryl´afays Verstand eindrang.
Es war, als tauche er mit einem Mal in Eiswasser ein. Die kühle Präzision und Nüchternheit ihres Verstandes sorgte beinahe dafür, dass er die Konzentration verlor. Doch dies durfte nicht geschehen und so kämpfte sich Noreag weiter vorwärst. Er erkannte jene Teile ihrer selbst, welche noch immer von finsterer Magie befallen waren und sein Wille allein brannte so stark und voller gerechtem Zorn, dass die Dunkelheit wich. Es durchforstete den Verstand der Elfe, deren einstiger Körper nun das Gefäß für Ryl´afay geworden war. Und mit der Macht seines Geistes und dem Wissen alter Jahrtausende vernichtete er sie. Zerriss sie und brannte die Erinnerung, die Hoffnungen und Träume der Jungen Elfe aus. Ihre Liebe zu einem jungen Elfen Namens Iriniel wurde aus dem Herzen verbannt und in die Dunkelheit des Nichts geschleudert.
Jedes menschliche Leben ist ein Funke in der Dunkelheit. Es glüht für einen Moment auf, fängt den Blick, und ist für immer verschwunden, wie ein Eindruck auf der Netzhaut, der verblaßt und von neuen, helleren Lichtern überdeckt wird
Er zeriss ihre Erinnerung, als wäre sie ein Fetzen Papier und begann sie wieder neu und in der richtigen Reihenfolge zusammen zu setzen, dort wo sie keine Erinnerung mehr besaß setzte er Wahrheit an ihre Stelle. Fakten und das Wissen über das, was geschehen war. Er formte ihren Geist nach dem Vorbild jener Frau, die er einst vor so vielen Jahrhunderten kennen gelernt hatte. Und wie ein Künstler, der ein Stück Stein bearbeitet um das Idealbild des Menschen zu formen, so formte Noreag ihren Geist, ihre Wünsche und Träume und passte sie jenem Wesen an, das sie einst gewesen sein mochte.
Noreag öffnete die Augen und keuchte für einen kurzen Augenblick, während er sich wieder in seinem eigenen Körper zurecht fand. Er hörte seine eigene Zunge weiterhin die Verse zitieren, welche für den Zauber notwendig waren, wenngleich sein Bewusstsein an diesem Akt kaum mehr beteiligt war. Vielmehr formte sich eben jenes Bewusstsein zu einem anderen zusammen. Er spürte wie in seiner Brust die Hitze von tausend Sonnen aufstieg, spürte seine Flügel die sich an seinen Körper pressten, während die Flammen seinen Hals hinauf leckten. Das Feuer zu Worten wurde und Ryl in Brand steckte. Sie schrie – es war ein alles umfassender, den Verstand überdeckender Schrei. Ihre Haut troff von ihrem Kinn, die Augen schienen zu zerfließen, die Haare verbrannten zu lodernder Asche während ihre Kleidung sich in die Haut einbrannte. Jene Haut die Blasen warf, sich schälte und aufplatzte. Der Geruch von brennendem Fleisch, von brennendem Haar. Der Schrei eines Lebewesens, das Todesqualen durchlitt. Der Schrei, der sein eigener zu sein schien – wer schrie? War er es oder Sie, oder schrie die ganze Welt? Noreag wusste es nicht, konnte es nicht wissen doch noch während seine letzten magischen Worte aus seinem Mund flossen wie Wasser aus einer Quelle wurden die Flammen weiß. Hell und klar, wie der junge Morgen und das Fleisch welches von Ryls Körper fiel klatsche auf den Boden und offenbarte eine junge, rosige Haut und ein Gesicht, welches das ihre war.
Das Feuer erlosch und Noreag wankte, schien kurz zu stolpern ehe er sich fing. Seine Kehle brannte, seine Augen tränten und er sah zu Ryl´afay welche vor ihm auf dem Boden lag. “Und nun… schwöre“
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BeitragThema: Re: Bibliothek   So Nov 09, 2014 10:12 pm

Die Schmerzen war nichts, was sie nicht bereits gewohnt wäre und dennoch traf sie die Wucht der Pein immer noch vollkommen unvorbereitet, nahm ihren Körper gänzlich ein und begann sie von innen heraus aufzufressen bis ihr nichts mehr übrig blieb als quälende, laute Schreie auszustoßen, die ihr über die trockenen, aufgesprungenen Lippen drangen. Immer wieder drehte sie sich zur Seite, presste ihre Beine an den Körper während ihr Schädel dröhnte und die Bilder ihrer einstigen Vergangenheit sich in ihr Gedächtnis fraßen und all die Dinge auslöschten, die sie einst noch ausgemacht hatte. Vorüber war die Liebe, die sie in ihrem Herzen empfunden hatte und die einem Elfen galt, den sie nicht einmal kannte, geschwunden waren die Bilder einer Stadt und zweier Elfen, die ihr wohl einmal sehr viel bedeutet hatten - sie wurden ersetzt durch Geschehnisse, die sie zu vergessen geglaubt hatte. Da war der schwefelartige Geruch, den sie über eine so lange Zeit vermisst hatte und der für sie vertrauter war als alles andere, eine warme, weiche Stimme, die mit ihr sprach und mit der sie über eine neue Welt sprach - eine Welt, die von ihm beherrscht wurde und in der es den Menschen gut ging, die nicht mehr von einem wahnsinnigen Tyrannen regiert wurden, sondern von einem mächtigen Orden, einer neutralen Partei, die sie alle bewachte.
Sein Gesicht brannte sich in ihren Geist und ließ ein verzerrtes, wehmütiges Lächeln auf ihren Zügen erscheinen ehe selbige begannen zu schmelzen und sich zu jenen alten Zügen zu formen, die sie einst einmal besessen hatte. Ryl spürte, wie das Feuer ihr das Fleisch von den Knochen fraß, wie die flüssige Haut ihr zwischen die Finger rann ehe auch diese zu schwinden begann, spürte die Flammen an ihren langen, schwarzen Haaren lecken und wünschte sich für einen kurzen Moment nichts mehr, als dass es endlich aufhören würde. Sie wollte die Augen schließen und in die Dunkelheit fallen, die sie seit so langer Zeit begleitete - in jenen erlösenden Schlaf, der bereits seine Arme nach ihr ausgestreckt hatte, doch wann immer sie zu fallen drohte, riss man sie wieder zurück und brachte sie zurück in das flammende Meer aus Schmerz und Leid, während sie sich selbst schreien hörte. Immer wieder und immer lauter bis ihre Stimme schließlich nicht viel mehr als ein heißeres Flüstern war als ihr geschundener, zusammen gekrümmter Körper sein letztes, leises "... ich schwöre ..." von sich gab, bevor sie das Bewusstsein verlor.
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